#Primeur sind die #Selfies der Chefredaktoren

Der #Primeur ist der #Selfie des Chefredakteurs

Als #gerigate von der Schweiz am Sonntag los getreten wurde, habe ich mich geärgert.
1. Weil mich das Privatleben eines Politikers nur dann interessiert, wenn er damit sein Amt missbraucht oder der Allgemeinheit Schaden zufügt.
2. Weil ich um meine Sonntagslektüre betrogen fühlte. Es wurde nur noch darüber berichtet und es wird es immer noch.
3. Weil ich als ehemalige Sexarbeiterin gewisse moralische Entrüstungen nicht nachvollziehen kann.

Warum machen Männer (und auch Frauen) #Nacktselfies?. Weil sich jeder als was besonderes sieht, als ein Geschenk für den oder die Angebetete oder eben die Welt. Geri Müller hat sich auf seine gerade aktuelle Angebetete beschränkt. Veröffentlicht und zum Skandal erklärt hat es hingegen ein Chefredakteur einer Sonntagszeitung.

Warum machen Chefredakteure sowas. Der Primeur ist halt auch sowas wie ein Selfie. Einer mit Worten. Mann sieht sich als Enthüllungsjournalist und somit als „Geschenk“ für die Leserschaft.

Sein gutes Recht. Das Recht eines jeden Journalisten. Schlimm wird die Sache allerdings nur, wenn eben dieser Journalist am folgenden Sonntag noch immer darauf beharrt ein Nacktfoto, dass ausser ein paar Redaktionsmitglieder und die betreffende Dame noch niemand gesehen hat, sei politisch relevant. Patrik Müller versteift sich sogar darauf, seine persönlichen moralischen Vorstellungen als relevant zu verkaufen und mit derselben den Rücktritt eines Exekutivpolitikers zu fordern, der nicht mal soviel Macht hat wie er als Chefredakteur.
Das ist Selfie pur. Masslose Selbstüberschätzung. Getoppt wird das Ganze nur noch, dass die AZ-Medien auf allen ihren Kanälen, den Rücktritt fordern, sich als moralische Instanz aufführen und kurzer Hand auch noch bestimmen, was Privatsphäre ist und was nicht. Wie heute Abend geschehen im @Talktaeglich auf Tele Züri.

Viel Sex kommt in der Geschichte ja nicht vor. Viel Phantasie hat aber scheinbar Patrik Müller haben, wenn er eine solche Story, zum Skandal hochpusht. Und damit auch ganz viel blinde Flecken in der Wahrnehmung der Realität. Natürlich macht kein Politiker, kein Badener Bürger Nacktfotos, besucht Pornoseiten im Internet oder geht fremd.

Blenden wir diese Realität doch mal ein. Ein Stadtamman, dazu noch einer relativ unbedeutenden Kleinstadt im Aargau ist nichts anderes als ein Verwalter. Er hat kaum politische Macht, denn wichtige Entscheidungen werden wohl auch im Badener Stadtrat gemeinsam gefällt und der Stadtamman hat wohl mehr repräsentative und administrative Aufgaben, als irgendein amerikanischer Politiker.
Baden ist kein Folgeschaden entstanden, denn auch die Repräsentation eines Stadtammans sind aufs lokale Publikum beschränkt.

Das Rathaus in Baden ist keine Kirche, kein heiliger religiöser Ort (der Nationalratssaal übrigens auch nicht), der durch das Verhalten eines Amtsträgers entweiht werden kann.
Die Ständerätin Christine Egerszegi ist weder politisch die Vorgesetzte vom Badener Stadtpräsidenten, noch das moralische Oberhaupt der Stadt. Zumindest hat sie bis heute ausser ihr selber niemand dazu ernannt.

Auch Patrik Müller ist nicht die moralische Instanz der Schweiz, die bestimmt, was anrüchig ist und was nicht.

Nacktfotos sind höchstens peinlich. Gerade dann, wenn sie in die falschen Hände kommen. Aber auch Exekutivpolitiker haben ein Privatleben und müssen in diesem jemandem vertrauen können.
Dass sich Geri Müller da getäuscht hat, ist nicht tragisch, er ist ja nicht Aussenminister.
Verwerflich ist hingegen, wenn ein Chefredakteur zwecks Selbstüberschätzung das Ganze als politischen Skandal verkauft und noch darauf besteht, dass die Leserschaft das gefälligst auch so zu sehen hat.
Er hat es veröffentlicht. Nicht Geri Müller.

Liebe Medien, liebe Enthüllungsjournalisten, liebe selbsternannte HüterInnen der Moral, schaut euch doch mal auf dem Internet um. Es gibt nicht jugendfreie Seiten, da wird einiges mehr geboten als nur ein Nacktfotos. Und hört auf davon zu träumen, dass Erwachsene Skype nur zum Reden nutzen.

Journalisten sollten mal in ein Puff gehen. Nicht um ihre Lust zu befriedigen, sondern um sich zu informieren, was sexuelle Phantasien denn wirklich sind. Ihr könntet rote Ohren bekommen, wenn ihr erfährt, was sich so in Köpfen von Hinz und Kunz abspielt oder auch nicht.

Ich für meinen Teil mag lieber Leute, die über sexuelle Phantasien verfügen, auch als Politiker. Denn das setzt voraus, dass man selber denkt und es heisst, dass jemand kreativ ist. Diejenigen, die keine sexuellen Phantasien haben oder nur eine schmutzige Phantasie darüber, was andere Amoralisches tun könnten, die haben auch keine eigene Meinung. Die überlassen auch das Denken anderen.

Ich werde Geri Müller, wieder meine Stimme für den Nationalrat geben. Auf Patrik Müllers Meinung in der Schweiz am Sonntag werde ich in Zukunft jedoch verzichten

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Über eidgenossin

Ich bin Jahrgang 63, Wissens-und Bildungsjunkie, Bezügerin eine Invaldienrente wegen chronischer Krankheit (Clsuter-Headaches) Meine Fachgebiete sind Sozialversicherungsrecht. Ich war früher Projektleiterin der Aids-Hilfe-Schweiz und leitete das Projekt APiS. Es wurde 2012 20 Jahre alt und existiert noch immer. Ich gehe mit offenen aber auch kritischen Augen durch die Welt und habe ein fast fotografisches Gedächtnis
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