Was Alice Schwarzer wirklich will

Alice Schwarzer will Macht. Nur darum geht es in dieser von ihr entflammten Prostitutionsdebatte.
Mein Neffe hat mich darauf gebracht.Er erzählte mir nach kürzlich abgeschlossener Rekrutenschule, was er im Militärdienst gelernt hatte. Unter anderem direkt sein. „Wenn ich keine Lust habe vor einer Kasse in der Schlange zu stehen,“sagte er, „such ich mir einen Angestellten und sage:“Die Kasse ist offen“. Ich formuliere das nicht als Frage, sondern als Feststellung. Oder ich sage:“Du isst das nicht mehr. Gut, dann nehme ich es“ und dann habe ich es schon genommen. Direkt sein. Keine Fragen stellen, sondern Feststellungen treffen, damit überrumpelt man die meisten Leute und bekommt, das was man will, ohne Umschweife, ohne Verzögerung.“

Das macht auch Alice Schwarzer. Sie hat ein Buch über Prostitution geschrieben, fordert darin ein Gesetz, das Prostitution verbietet und macht das so, dass sie es wahrscheinlich auch bekommt, ohne ein politisches Mandat zu besitzen oder wie in der Schweiz üblich eine Initiative starten zu müssen.
Sie schliesst die Möglichkeit, dass es Frauen gibt, die freiwillig Sexarbeit machen mit einer derartigen Vehemenz aus, dass sich hunderte erfolglos outen könnten. Sie diskutiert nicht über das Thema. Keine Frau macht es freiwillig, so ihre Ansicht und verkauft diese Ansicht als gegeben, als Tatsache, als absolute Wahrheit. Warum?
Ganz einfach aus Taktik. Sie will, dass Prostitution verboten wird, in Deutschland, noch besser in ganz Europa. Sie verkauft das mit dem Argument, dass alle Frauen in der Sexarbeit Opfer sind. Opfer zu sein haben. Da kann sie keine brauchen, die das Gegenteil behaupten, ja sogar beim einen oder anderen Politiker Zweifel aufkommen lassen. Also fragt sie nicht, sondern stellt fest.
Sie hat sich das Thema Prostitution ausgesucht, weil es den Nerv der Zeit trifft und jeder und jede eine Meinung dazu haben. Weil es ein Randphäomen ist, eine Randgruppe, die bereits gesellschaftlich stigmatisiert wird und von der kaum Gegenwehr zu erwarten ist. Sind diese Frauen, egal woher sie kommen und in welchem Bereich der Sexbranche sie arbeiten, alle Opfer, dann wird sie als deren Retterin in die Annalen der feministischen Geschichtsschreibung eingehen.

Es gab trotzdem Widerrede und die wird von ihr nun in jeder Fernsehsendung und in ihrem letzten Artikel in der Emma mundtot gemacht. Frauen sind Opfer, all jene Sexarbeiterinnnen, die öffentlich dazu stehen, sind nicht nur suspekt und unglaubwürdig. Nein sie gibt noch eins drauf und behauptet diese Frauen seien keine Opfer, sondern Täterinnen, sprich Zuhälterinnen. Sehr clever.
Zum einen verhindert sie damit, dass egal wie viele Frauen sich orten würden, alle als unglaubwürdige Mitäterinnen gelten und zementiert jene Stigmatisierung, die es Sexarbeiterinnen verunmöglicht sich zu orten. Sie haben ein Leben, eins ausserhalb der Sexarbeit, haben vielleicht Kinder, einige sind schon Grossmütter. Sie haben ein soziales Umfeld, das nichts von ihrem Beruf oder ihrer ehemaligen Tätigkeit weiss. Sie wollen als das wahrgenommen werden, was sie sind, nicht als das, was man auf sie projiziert und das ist ihr gutes Recht. Alice Schwarzer muss also nicht befürchten, dass sich ihr jemand beim Erreichen ihres Zieles in den Weg stellt, der ihre Mission ernstlich gefährden könnte.
Und dieses Ziel ist nicht, die „Würde der Frau“, nicht den „Menschenhandel zu bekämpfen“. Ihr geht es weder um andere Frauen, noch um echte Opfer, ihr geht es nur um sich selber. Und was kann eine Frau wie sie noch erreichen? Macht. Die Macht einer Gesellschaft und mindestens zwei Generationen von Frauen ihren Willen aufzuzwingen. Dieses Prostitutionsverbot, das Frauen in ihrer Selbstständigkeit einschränkt und sie in erfolgreiche Frauen und Opfer unterteilt wobei sie bestimmt, wer zu welcher Gruppe gehört. Dieses Gesetz, das Männer und Frauen kriminalisiert,wenn sie sich unter bestimmten Umständen miteinander vergnügen.
Die -Frau kann nicht tatsächlich so naiv sein, anzunehmen, dieses Verbot würde das Frauenbild der Männer verändern.- Viel Macht Dazu kämen noch die Lorbeeren eines allfälligen Erfolges in ihrer Biografie.

Macht liebe Alice Schwarzer, das sage ich Ihnen als ehemalige Sexarbeiterin, die hat man oder sie wird einem zugestanden. Mit Zwang eingeforderte Macht wird immer irgendwann irgendwo auf Gegenwehr stossen und zumindest bei intelligenten Menschen kommt diese Vorgehensweise nicht gut an. Und das mit der Macht, das hat etwas mit gesundem Selbstbewusstsein zu tun. Etwas, das frau in der Sexarbeit lernt. Und dann ist es wie mit Fahrradfahren man verlernt es nie mehr. Egal wie sie uns Freiwilligen, ehemaligen- und nocharbeitenden dieses Privileg der persönlichen Machterfahrung auch vergönnen, Sie werden es auf diesem Weg nie bekommen.

Advertisements

Über eidgenossin

Ich bin Jahrgang 63, Wissens-und Bildungsjunkie, Bezügerin eine Invaldienrente wegen chronischer Krankheit (Clsuter-Headaches) Meine Fachgebiete sind Sozialversicherungsrecht. Ich war früher Projektleiterin der Aids-Hilfe-Schweiz und leitete das Projekt APiS. Es wurde 2012 20 Jahre alt und existiert noch immer. Ich gehe mit offenen aber auch kritischen Augen durch die Welt und habe ein fast fotografisches Gedächtnis
Dieser Beitrag wurde unter Blog abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Was Alice Schwarzer wirklich will

  1. ulf_der_freak schreibt:

    Bei den Diskussionen mit Frau Schwarzer, die ich bislang gesehen habe, hatte ich den Eindruck, es gibt zwei Meinungen: Ihre und die falsche. Ich finde das einen Bärendienst an der Gleichberechtigung.

    Interessant finde ich den Vortrag der courtisane über Sexarbeit als AUSDRUCK der sexuellen Befreiung. Doch das wäre auch nur eine weitere fruchtlose Debatte, da Schwarzer ja grundsätzlich nicht einen Millimeter von ihrer Meinung abweicht.

  2. Sina schreibt:

    Ich wollte genau zu diesem Thema demnächst einen Blogpost schauen…es ist klar, welche Strategie Schwarzer fährt: Disqualifikation von Sexarbeiterinnen als Subjekte auf gleicher Augenhöhe. Hier ein Artikel der Soziologin Laura Augustin dazu: http://jacobinmag.com/2013/08/prostitution-law-and-the-death-of-whores/
    Schwarzer besteht darauf, dass alle Sexarbeiter/innen entweder Opfer von Menschenhandel sind, oder in der Kindheit Erfahrungen mit sexueller Gewalt gemacht haben. Was für eine Nachricht an alle Opfer sexueller Gewalt: HAHA, ihr seid nicht mehr richtig im Kopf und dürft deshalb nicht mehr mitdiskutieren, nichtmal über euer eigenes Leben (ausser natürlich, ihr habt die gleiche Meinung wie ich- dann seid ihr Vorzeigeopfer). Und wenn dann eine mal durch ihr Selbstbewusstsein so überzeugt, dass sie nicht mehr als bemitleidenswertes Opfer gelten kann, wird sie zur Täterin gemacht.

    Keine Sexarbeiterin will, dass ihren Eltern unterstellt wird, sie hätten sie als Kind missbraucht oder dies geschehen lassen. Und keine will als psychisch krank und unmündig gelten, gerade wenn sie vielleicht noch einen anderen Job, ein soziales Umfeld und Kinder haben. Und so werden weiterhin diese Vorurteile verbreitet, damit sich auch ja möglichst wenige Sexarbeiterinnen getrauen, öffentlich für sich selbst einzustehen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s