Prostitutionsverbot eine Heilslehre?

In Deutschland hat Alice Schwarzer ein Prostitutionsverbot gefordert und heftige öffentliche Diskussionen ausgelöst. In der Schweiz präferiert man das Schwedenmodell, bei dem Freier bestraft werden sollen. Ziel beider Forderungen, die Prostitution zum Verschwinden zu bringen. Notfalls könnte man sich noch vorübergehendend mit einer Eindämmung des Phänomens zufrieden geben.

Ich habe darüber nachgedacht. Was würde denn passieren, wenn ein solches Verbot eingeführt würde. Dazu gehört auch das „Schwedenmodell“. Freier bestrafen, kriminalisiert auch die Sexarbeiterinnen. Zeigt eine Prostituierte einen Freier an, dann hat sie sich an einer Straftat beteiligt.Wird sie dafür nicht vom Gesetz bestraft, so doch zumindest moralisch. Sie wird dann registriert und kann ihren Beruf nicht mehr ausüben. Wenn sie zu dieser Arbeit gezwungen wurde, dann wird ihr Aufenthaltstatus darüber entscheiden, ob sie in ihr Heimatland abgeschoben wird oder bleiben und sich eine andere Arbeit suchen kann. Und was sagt sie dann über ihr berufliches Vorleben? „Ich wurde zu Zwangsarbeit im Sexgewerbe gezwungen.“ Wohl kaum.

Dann hätten wir ein weiteres Problem. Wie zeigt eine Sexarbeiterin einen Freier an. Freier stellen sich nicht vor. So im Stil: „Meier, Hans Meier“ und zücken einen Ausweis. Wie jemanden anzeigen, wenn man nicht einmal den Namen kennt.
Bleibt für die Einhaltung des Verbotes nur eine permanente Poliizeiüberwachung. Diese kann aber nur räumlich begrenzt stattfinden. Privatwohnungen observieren oder auf Verdacht hin eine Hausdurchsuchung durchführen wären zwar möglich, aber ziemlich teuer und zeitaufwendig.

Die Befürworterinnen dieses Verbots haben sich überhaupt keine Gedanken über die Umsetzung eines Verbotes gemacht, geschweige denn über die möglichen Folgen für alle Frauen. Wie erkennt ein Polizist eine Prostituierte, wenn es oft nicht einmal Freier können. Jede Frau, die nachts an einem bestimmten Ort unterwegs ist? Oder nur diejenigen, die auch eindeutig gekleidet sind? Und was läuft dann unter „eindeutig gekleidet“.Viel Spass dann allen Frauen, die nachts alleine unterwegs sind.

Oder kann erst erzeigt und verhaftet werden, wenn „eindeutige“ Beweise vorliegen? Was wird die Rechtsprechung als „eindeutig“ definieren? Diese Fragen bleiben uns sowohl Alice Schwarzer als auch ihre Mitstreiterinnen schuldig.

Gehen wir weiter davon aus, ein Verbot käme durch. Nicht nur in Deutschland und der Schweiz, sondern wie schon gefordert Europaweit. Würde Prostitution verschwinden, sich das Frauenbild der Männer verändern?. Nein.

Im Gegenteil das Geschäft würde florieren. Wohl etwas weniger für die meisten Sexarbeiterinnen, als vielmehr für all jene, die das Geld haben, „sichere“ Orte für Sexarbeit zur Verfügung zu stellen. In allen Ländern, in denen Prostitution verboten ist – und das ist u.a. neben Amerika auch Thailand – floriert das Geschäft mit dem Sex.

Die Frauen zahlen ihre Busse oder bestechen einen Gesetzeshüter und arbeiten weiter.
Die Nachfrage bleibt ja weiterhin bestehen. Selbst, dass freien strafbar sein käönnte, wird Männer nicht davon abhalten. Freier suchen nicht einfach Sex. Den gibt’s sauber,frei Haus geliefert übers Handy oder den Computer. Man hätte längst einen weiblichen Sexroboter entwickelt, wenn eine Nachfrage danach bestünde. Der Reiz für Sexuelle Dienstleistungen zu bezahlen ist nicht so simpel, wie das Feministinnen gerne annehmen.
Männer treibt die Sehnsucht in die Arme von Sexarbeiterinnen aus Fleisch und Blut. Die Wärme eines Körpers, die Nähe, die genauso gekauft wird, wie die vermeintliche Intimität und der Kick, jemanden zu etwas zwingen zu können, das er nicht will. Freien hat viele Facetten. Lust gehört auch dazu, Sex ist dabei aber nur eine Nebensache. Einmal so geliebt werden, wie man ist, ohne sich anstrengen oder verstellen zu müssen. Ernst genommen werden und jemand sein, unabhängig davon wer man ist, das treibt Männer auf den Strich und ins Puff. Dass alles nur Illusion ist, wird verdrängt. Männer können das besser als Frauen. Darum funktioniert der Sexmarkt auch relativ einseitig mit mehr Angeboten für männliche Kundschaft, als für weibliche.

Wo Lust im Spiel ist, helfen weder Verbote noch Gebote. Im Gegenteil verbotene Früchte schmecken besser. Ein bekannter Zeitgenosse erzählte einmal, dass er am Tag, als in Amerika das Alkoholverbot aufgehoben wurde, hätte er nach Jahren wieder einmal ein Glas Wasser getrunken.

Kaffee wurde verboten, weil man dem „Türkentrank“ nicht traute. Durch das Verbot entstanden die legendären Kaffeehäuser in Wien und der Kaffee fand Eingang in die Privathaushalte.
Alkohol wurde verboten und es wurde nicht nur mehr getrunken als vorher und nachher, es entstanden ganze Verbrechersyndikate.

Hanf wurde verboten, weil die damals aufkommende Nylonindustrie die Konkurrenz mit den Hanfprodukten (Seile, Fasern) loswerden wollte. Haschisch ist inzwischen längst in der Gesellschaft angekommen und wird im Privaten konsumiert.

Tabak wurde bei seiner Einführung in Europa auch in vielen Städten verboten, aber nicht aus gesundheitlichen Gründen, sondern weil man Angst hatte, die Pfeifenraucher könnten verheerende Brände auslösen. Erlaubt wurde er, nachdem man herausfand, dass man darauf Steuern erheben kann.

Luxussteuer für Prostitution. Nicht nötig. Sexarbeit ist bereits Steuer und MwSt. Steuerpflichtig.

Ein Prostitutionsverbot würde wie jedes andere Verbot, das irgendwie das Bedürfnis nach Lustbefriedigung betreffen, würde nicht dazu führen, dass dieses Bedürfnis verschwindet. Es würde zu einem exzessiven Gebrauch kommen. Nur das es diesmal nicht um eine Substanz geht, sondern um Menschen.
Freier würden bei einem Verbot die Signale dahingehend deuten, dass sie keinerlei Respekt mehr vor Sexarbeiterinnen haben müssen. Wenn man sich schon ev. Selber strafbar macht, dann kann man ja auch gleich noch mal so richtig die Sau raus lassen.
Glaubt ihr nicht?

Als in den 90er Jahren breit in allen Medien über den Drogenstrich im Zürcher Seefeld berichtet wurde, kamen die Freier aus der ganzen Schweiz. Sie hatten aus Zeitungen und dem Fernsehen erfahren, wie hilflos die Frauen waren. Dass sie Freier nicht anzeigen konnten. Weil sie sonst wegen illegaler Prostitution und wegen Drogenkonsum selber gebüsst würden. Mit diesem Wissen fielen bei vielen braven, biederen Ehemännern und Vätern (gut erkennbar an den Kindersitzen in den Autos der Freier) alle Hemmschwellen. Die Frauen wurden verletzt, vergewaltigt und ausgeraubt.

Genau das würde wieder passieren. Es wären dann nicht einfach ein paar Sexarbeiterinnen, die zur Arbeit gezwungen würden oder i n prekären Arbeitsverhältnissen arbeiten würden. Es wären alle. Das Angebot würde sich verknappen und im Versteckten im Geheimen stattfinden. All jene Männer, die spontan nach bezahltem Sex suchen, würden jede Frau belästigen, die ihrer Meinung nach eine Hure sein könnte. In Clubs, auf der Strasse, überall.

Das Frauenbild würde sich nicht ändern, es würde nur noch mehr auf alle Frauen projiziert.Warum stellt dann eine kluge feministische Frau überhaupt diese Forderung?
Frau Schwarzer will ein Buch verkaufen, da wirkt sich ein solcher Medienrummel schon gut auf die Verkaufszahlen aus.

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Über eidgenossin

Ich bin Jahrgang 63, Wissens-und Bildungsjunkie, Bezügerin eine Invaldienrente wegen chronischer Krankheit (Clsuter-Headaches) Meine Fachgebiete sind Sozialversicherungsrecht. Ich war früher Projektleiterin der Aids-Hilfe-Schweiz und leitete das Projekt APiS. Es wurde 2012 20 Jahre alt und existiert noch immer. Ich gehe mit offenen aber auch kritischen Augen durch die Welt und habe ein fast fotografisches Gedächtnis
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6 Antworten zu Prostitutionsverbot eine Heilslehre?

  1. Claude schreibt:

    Guter & interessanter Artikel.
    Nur bei einem Punkt bin ich mir unsicher. Du schreibst: „Wenn man sich schon ev. Selber strafbar macht, dann kann man ja auch gleich noch mal so richtig die Sau raus lassen. Glaubt ihr nicht?“
    Ich weiß nicht, ob das zwingend und automatisch zu Vergewaltigungen und zu „Sau raus lassen“ führt, würde das nicht so krass pauschalisieren. Die Zahl der Gewaltübergriffe, Vergewaltigungen und Raubüberfälle würde trotzdem hochgehen.

    Prostitution soll nicht verboten werden, im Gegenteil. Prostituierte brauchen besonderen Schutz. Das, was Alice Schweizer fordert, hilft den Prostituierten nicht, sondern ist frauenfeindlich!

  2. Pingback: Gesetzlicher Rahmen für Sexarbeit – Claude Biver

  3. jeanet schreibt:

    Bleibt für die Einhaltung des Verbotes nur eine permanente Poliizeiüberwachung. Diese kann aber nur räumlich begrenzt stattfinden. Privatwohnungen observieren oder auf Verdacht hin eine Hausdurchsuchung durchführen wären zwar möglich, aber ziemlich teuer und zeitaufwendig.

    In Schweden z.b. gibt es eine sondere Polizeiüberwachung auf der Straße, Wohnungen werden beobachtet, wenn der Freier herauskommt, wird er verhaftet. Die Kosten für dieses system belaufen etwa $ 180.000.000 per Jahr.

    • rahab schreibt:

      der schwedische staat läßt sich das verfügungsrecht über weibliche körper ja echt was kosten!
      froh macht mich das nicht. im gegenteil.

  4. dietmar fernholz schreibt:

    Das Schwedische Modell ist abscheulich : Man versucht die Prostitution abzuschaffen in den man die Sexarbeiterinnen aushungert !

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