Epidemiengesetz #EpG und warum ich ja stimme

„Ich bewundere Dich“, sagte kürzlich eine Freundin zu mir. “Ich bewundere Dich, wie Du dein Leben trotz aller Widrigkeiten meisterst. Andere hätten sich längst umgebracht.” Cluster-Headache, an dem ich leide, hat auch den Beinamen Suizidkopfschmerz. Früher, weil die Leute den unerträglichen und unvorstellbaren Schmerz, der anfallsweise auftritt, nicht aushielten. Heute, weil sie es nicht aushalten nie zu wissen, wann die nächste Attacke kommt und erst etwas gegen den Schmerz und die Symptome machen können, wenn sie da sind. Vollständig verhindern kann man sie nicht. Und sie kommen unberechenbar. Das bedeutet nie zu wissen, wann die nächste Attacke kommt und wie stark sie sein wird.

Sie findet es nicht selbstverständlich, wie ich damit und weiteren Schicksalsschlägen umgehe.

Ich liebe mein Leben auch nicht immer, aber ich habe kein anderes. Ich habe nur das Eine und ich kann es nicht umtauschen. Das Leben ist nun mal kein Wunschkonzert.

Dieses Leben werde ich nicht fahrlässig einem Virus aussetzen, auch wenn mein Immunsystem stark ist. Ich werde zwar nicht zu denen gehören, die zuerst geimpft werden: ich gehöre weder zu einer exponierten Berufsgruppe, noch zu einer besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppe an. Aber ich riskiere dieses Leben nicht für eine nicht belegte These, wonach, wer ein starkes Immunsystem hat, automatisch vor SARS oder einer Mutation davon geschützt ist. Wenn ich mit einem tollwütigen Fuchs in Berührung käme, würde ich mich auch impfen lassen und mich nicht darauf verlassen, dass mein Immunsystem damit klar käme. Ich habe nur dieses eine Leben. Und das vertraue ich nicht irgendwelchen christlichen Fundamentalisten und ihren Gebeten an, noch verlasse ich mich in einem solchen Fall auf homöopathische Impfungen, energetische Raumsprays oder anderen unwissenschaftlichen Hokuspokus.

Ich werde mich entweder impfen lassen, wenn eine Epidemie ausbricht oder zu Hause bleiben. Ich erwarte aber auch, dass exponierte Berufsgruppen wie Zöllner, Polizisten, Pflegepersonen, Mediziner oder andere wichtige Berufsgruppen geimpft sind oder nicht arbeiten gehen.

Ich habe nur dieses eine Leben und das setzte ich nicht aufs Spiel für zweifelhafte Methoden oder den Glauben, es könnte mich nicht treffen, weil ich zu den besseren Menschen gehöre. Ich glaube auch nicht, dass ich eine natürliche Selektion, die sich ein paar Impfgegner vielleicht insgeheim von einer Epidemie, oder noch besser einer Pandemie erhoffen, überleben werde, weil ich vielleicht zu den Auserwählten 10 % gehöre, die das überleben könnten.

Ich tue das nicht nur für mich. Ich tue das auch für alle und erwarte das von allen. Es ist keine persönliche Freiheit, wenn ich als potentielle Überträgerin dutzende von Menschen infiziere, die dieser vermeintlich natürlichen Selektion zum Opfer fallen könnten.
Ich brauche die Allgemeinheit in vielen Punkten des Alltags. Ich habe der Allgemeinheit gegenüber folglich auch eine Verantwortung. Das Risiko, mich mit einer Impfung mit Nebenwirkungen zu gefährden ist a) geringer als b) ohne Impfschutz zu sterben und andere zu infizieren.

Gemäss altem Epidemiengesetz hätte ich diese zweifelhafte Wahl nicht einmal. Kantone können jederzeit Impf-Obligatorien für die gesamte Bevölkerung erlassen und das zeitlich unbegrenzt.

Mein Ja, bedeutet, dass ein Obligatorium nur in einer wirklich gefährlichen Situation eintrifft, zeitlich begrenzt ist und auch mich schützt, weil Pflegepersonal, Polizisten oder Ärzte entweder geimpft sind, mich nicht anstecken können oder aber nicht im Dienst sind, bis die Gefahr vorüber ist.

Ich lasse mich nicht für dubiose und weltfremde Motive religiöser Kreise und sektenähnlichen Organisationen missbrauchen, um ein Gesetz abzulehnen, das denen dann vielleicht das Gefühl vermittelt, die besseren Menschen zu sein oder ihnen erlaubt, einfach ihre Wundermittelchen und verantwortungslosen Therapien besser verkaufen zu können.

Ich sage ja zum #Epidemiengesetz, weil ich in diesem Punkt den Fachleuten absolut vertraue und weil ich überzeugt bin, dass das Bundesamt für Gesundheit diese Verantwortung auch wahrnimmt.

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Über eidgenossin

Ich bin Jahrgang 63, Wissens-und Bildungsjunkie, Bezügerin eine Invaldienrente wegen chronischer Krankheit (Clsuter-Headaches) Meine Fachgebiete sind Sozialversicherungsrecht. Ich war früher Projektleiterin der Aids-Hilfe-Schweiz und leitete das Projekt APiS. Es wurde 2012 20 Jahre alt und existiert noch immer. Ich gehe mit offenen aber auch kritischen Augen durch die Welt und habe ein fast fotografisches Gedächtnis
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