Was im Dunkeln passiert ist nicht sichtbar

Ich bekam den Hinweis, mir folgende Dokumentation anzusehen:

Verkaufte Kinderseelen – Zwangsprostitution in unserer Nachbarschaft.

http://www.ardmediathek.de

Dazu die Frage, ob es in der Schweiz auch so sei.

Prostitution besteht zu über 90% aus der Nachfrage danach. Die Nachfrage stellen heterosexuelle Männer, ein kleiner Teil auch homosexuelle oder bisexuelle Männer. Der Markt für Frauen ist unbedeutend und er spielt sich unter anderen Gegebenheiten ab, als die klassische Prostitution.

Zwangsprostitution ist Zwangsarbeit. Zwangsarbeit findet bei uns am häufigsten auf dem Bau statt. Weitere Orte von Zwangsarbeit sind Fabriken, meist Textilfabriken und im Hausahlt- und Pflegebereich.
Es ist einleuchtend, dass bei uns auf Kinder oder Jugendliche Zwangsarbeiter auf dem Bau auffallen würden und da auch kaum eingesetzt werden, weil sie die körperlichen Voraussetzungen nicht mit sich bringen.
In der Prostitution, die sich weitgehend im Verborgenen abspielt, gibt es dann Zwangsarbeit und Kinderarbeit, wenn die Rahmenbedingungen erfüllt sind.
Eine Rahmenbedingung ist die Anonymität. In der Schweiz dürfen sich Mädchen ab dem 16. Lebensjahr, da sexuell mündig, auch prostituieren. Und es gibt so junge Mädchen, die das auch tun. Es ist anzunehmen, das sie das meist freiwillig tun, um ihr Taschengeld aufzubessern, oder um sich Dinge zu leisten, die sich sonst nicht leisten könnten. Da sind die Rahmenbedingungen die sozialen und ökonomischen Lebensverhältnisse. In der Regel. Es wird auch welche geben, die sich freiwillig und gelegentlich oder einmalig prostituieren, wegen des Reizes des Verbotenen. In einem solchen Fall wäre bei uns allenfalls der nachfragende Freier wegen sexueller Handlung mit einer Minderjährigen strafbar, wenn er älter als 20 ist.

Wohnungsprostitution wie in der Dokumentation gezeigt, gibt es auch bei uns. In zwei Formen. Das eine sind Gelegenheitssexworker, die in ihren Privatwohnungen sexuelle Dienstleistungen anbieten. Erwachsene Frauen, die das sehr diskret machen und keine grosse Kundenfrequenz haben.
Dann gibt es die illegalen Bordelle, in denen Mädchen und Frauen, meist aus dem Osten zur Prostitution gezwungen werden. Diese Wohnungen sind in der Regel in Privathäusern oder anderen geeigneten Liegenschaften, bei denen ein häufiger Kundenverkehr nicht auffällt. Diese Standorte werden oft gewechselt, die Frauen auch. Einige haben sich darauf spezialisiert, nur einen Abend, eine Nacht an einem Ort eine Party anzubieten, zu der nur Insider Zutritt haben.
In der Schweiz dürften nur gerade in Genf die Rahmenbedingungen für illegale Bordelle in Privatwohnungen in irgendeiner Wohnsiedlung gegeben sein. In der restlichen Schweiz sind die Städte zu klein, die Anonymität ist nicht gegeben.

Prostitution ist in der Schweiz zwar legal, aber mit kantonalen Rahmengesetzen kann sie eingeschränkt oder an gewissen Orten faktisch verboten werden. Es gilt als stilles Gewerbe und das darf man zwar in einer Privatwohnung ausüben, es bedarf aber entweder einer Bauzonenkornformität oder die Nachbarn fühlen sich nicht gestört. In der Schweiz muss der Vermieter bei öffentlichen Bordellen eingeweiht sein, sonst besteht es nicht lange. Vermieter verdienen auch ganz gut an solchen Salons. Die Beschäftigung illegal anwesender Personen ist strafbar, womit die Illegalität von Bordellen weiter ins Versteckte verschoben wird.

Nach wie vor strafbar ist die aktive Zuhälterei. Wer jemanden der Prostitution zuführt, ihre Rahmenbedingungen bestimmt usw. macht sich strafbar. Das heisst nicht, das sich nicht auch hier einiges an Menschenhandel und Zwangsarbeit in der Prostitution abspielt. Aber eben es findet im Dunkeln statt. Flatrateangebote für Freier dürfte es auch hier geben, wenn auch nicht in dem Ausmass wie in Deutschland. Das hat zum einen mit der begrenzten Zahl an potentiellen Freiern zu tun, von denen die meisten nicht von anderen Freiern gesehen werden wollen. Die Gefahr selbst als Zürcher in Basel erkannt zu werden ist gross. Zum anderen ist auch die Schweiz in diesem Bereich eine Hochpreisinsel.

Richtig teuer dürfte es aber da sein, wo Kinder oder Jugendliche im Spiel sind. Je grösser das Risiko für den Anbieter – in diesem Fall den Zuhälter – desto höher der Preis. Und Pädosexuelle gibt es auch in der Schweiz.

Eine der wichtigsten Rahmenbedingungen, um das Phänomen einzudämmen ist ein Opferschutzgesetz. Werden Zwangsarbeitende egal wo, egal ob Frauen oder Männer, werden sie ausgeschafft. Viele machen keine Zeugenaussage, erstatten aus Angst vor Verfolgung ihrer Angehörigen keine Anzeige. Was mit Kindern geschieht, die bei solchen Razzien gefundene werden, darüber kann auch ich nur spekulieren. Sie werden wohl den Vormundschaftsbehörden überstellt.
Verfahren über Menschenhandel gibt es selten. Wer ein solch riskantes Geschäft betreibt, sichert sich gut ab. Solange die Zeuginnen Angst haben müssen, zu Hause getötet zu werden oder dass ihren dort lebenden Kindern etwas passiert, schweigen sie.
Da sie – auch wenn es unter Zwang geschah – der Prostitution nachgingen macht sie zudem zu ebenfalls unmoralischen Personen und das spiegelt sich in allen Verfahren, von denen ich Kenntnis hatte wider.

Dass nicht nur Frauen und Kinder aus dem Ausland – in Deutschland ist es mit den neuen EU-Ländern einfacher geworden – verschleppt oder herlockt, um sie an Bordellbetreiber zu verkaufen, sondern dass es auch hier Eltern gibt, die ihre eigenen Kinder zur Prostitution zwingen, wird gerne verdrängt. In 30 Jahren gab es einen Medienbericht, eine Dokumentation über Pädophile im ZDF. Es gehört zu den Dingen, die wir nicht wahrhaben wollen. Zugegeben das Phänomen ist nicht häufig, aber es wird auch nicht gezielt darüber berichet. Es würde unsere schöne heile Welt, in der Gut und Böse strikt geteilt ist, zerstören.

Tatsache ist, dass es eine Nachfrage nach Frauen, Mädchen und Knaben gibt. Dass diese Nachfrage aus Männern besteht. Deshalb überwiegend aus Männern, weil diese nicht nur die finanziellen Mittel haben sondern auch im Glauben aufgewachsen sind, sie könnten alles jederzeit und überall kaufen.

Die Dokumentation hat gezeigt, wie sich in Deutschland – in der Schweiz ist es da nicht viel anders – schwer tut beim Opfer- oder Zeugenschutz. Holland bildet da eine löbliche Ausnahme in Europa. Es wird wohl viel Lobbying gemacht, immerhin werden alleine mit dem Zweig der Zwangsprostituion jährlich Milliarden umgesetzt, es geht also um viel Geld, aber wer Böses denkt, der kann auch sagen, es sind halt einfach mehr Männer in der Politik und die wollen ihren Geschlechtsgenossen weder das Geschäft noch die Lust verderben

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Über eidgenossin

Ich bin Jahrgang 63, Wissens-und Bildungsjunkie, Bezügerin eine Invaldienrente wegen chronischer Krankheit (Clsuter-Headaches) Meine Fachgebiete sind Sozialversicherungsrecht. Ich war früher Projektleiterin der Aids-Hilfe-Schweiz und leitete das Projekt APiS. Es wurde 2012 20 Jahre alt und existiert noch immer. Ich gehe mit offenen aber auch kritischen Augen durch die Welt und habe ein fast fotografisches Gedächtnis
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Eine Antwort zu Was im Dunkeln passiert ist nicht sichtbar

  1. DschinDschin schreibt:

    Männer machen keine Politik für Männer! Es waren Männer die Millionen andere Männer in zwei Weltkriegen in den Tod geschickt haben! Es waren und sind Männer, die Schutzgesetze für Frauen und Kinder in Kraft gesetzt haben, die Männer nicht schützen!
    Männer glauben nicht, sie könnten alles kaufen. Männer sind bereit, für Güter und Dienste, welche ihnen bedeutsam sind, zu bezahlen. Frauen glauben, sie bekämen alles geschenkt!
    Wären Männer nicht mehr bereit, für Frauen zu bezahlen, müssten diese ihren breiten Hintern viel mehr in Bewegung setzen, und das ein Leben lang.

    DschinDschin

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