Lucy Page Gaston oder die Mission der Lustfeindlichen II

In habe in den 60er Jahren angefangen zu rauchen. Mein Vater rauchte, mein älterer Bruder rauchte und es war in. Es gab diese Kaugummis in Zigarettenform und Zigarettenpackungsähnlichen Schachteln. Wir liebten diese Dinger. Sie gaben uns das Gefühl dazu zu gehören. Rauchen können war auch eine Art Eintrittsritual in die jeweilige Gruppe, der man angehörte. Zigarettenmusterpäckchen wurden an Dorffesten verteilt und je nach Region wurde das, dann die Einstiegsmarke. Im Fricktal waren es Brunette doppel Filter, in Brugg Malboro. In den 7oern rauchten unsere Lehrer im Flur und auf dem Pausenplatz. Wir trafen uns heimlich an irgendwelchen Ecken um zu paffen.
Mein Vater starb 78 jährig zeitlebends an Asthma leidend an Prostatakrebs, genau wie sein Vater auch. Meine jüngere Schwester rauchte nie. Ihr Mann auch nicht. Kaum hatten sie Kinder rauchten niemand mehr von uns in deren Wohnung. Die drei Kinder meiner Schwester wuchsen in einer rauchfreien Umgebung auf. Die zweitälteste hat Asthma, vermutlich von meinem Vater geerbt. Was sie nicht daran gehindert hat, Raucherin zu werden. Auch das muss irgendwie in den Genen liegen.

Ich habe noch in Büros gearbeitet, die in Nichtraucher und Rauchebüros aufgeteilt waren. Aus höflicher Rücksichtnahme auf Nichtraucher. Ich rauche nicht in meinem Auto, wenn Nichtraucher dabei sind, ich rauche nicht in Nichtraucherwohungen und in Spitälern nur draussen oder in Raucherzimmern. Es würde mir nie einfallen, in einer Kirche, einem Kino oder in einem Theater zu rauchen. Das ist für mich eine Frage von Manieren.

Die Sache mit der Bedrohung durch das Passivrauchen kam in den 80er Jahren auf. 53 Studien die das belegten wurden in einer Metaanalyse überprüft und es konnte nicht festgestellt werden, dass Raucher in der Umgebung gefährlich sind für Nichtraucher. Rauchen wurde jedoch längst als gesundheitsschädlich deklariert. Was es wahrscheinlich auch ist. Er hat einen Einfluss auf die Kondition und kann Husten verursachen, ist wahrscheinlich nicht gut für den Teint, aber bis heute lässt sich nicht feststellen, dass jemand direkt an den Folgen des Rauchens gestorben ist. Es wird nur so interpretiert. Stirbt jemand, der übergewichtig war, viel Stress hatte und rauchte an einem Herzinfarkt, lässt sich bei der Autopsie nur der Herzinfarkt feststellen. Ob das Rauchen ,das Übergewicht, der Stress oder einer oder mehrere unbekannte Fakten dafür verantwortlich sind lässt sich nicht nachweisen. Lange glaubte man Kehlkopf- und Lungenkrebs seien eine direkte Folge des Rauchens, nun da vermehrt ans Licht kommt, dass auch junge Menschen, die nie geraucht hatten, deren Eltern nie geraucht hatten an Kehlkopfkrebs erkanken, wird darüber spekuliert, dass diese Krebsart genauwie Gebärmutterhalskrebs durch einen Virus ausgelöst wird.

Rauchen ist schon lange an allem schuld, das sich nicht ander erklären lässt. Ich hatte aufgehört zu rauchen, einfach so. Einfach weil ich nicht mehr wollte, da brauch mein Clusterkopfschmerz aus. Es brauchte 9 Jahre um diese Krankheit zu diagnostizieren. Bis dahin waren meine Weiblichkeit, meine angeblich instabile emotionale psychische Verfassung (Der Begriff Hysterie wurde nicht mehr verwendet) oder eben das Rauchen schuld daran. Die Tatsache, dass ich geraucht hatte. Ich hätte vielleicht zu abrupt damit aufgehört und ähnliches wurde zur Argumentation herangezogen. Man empfahl mir in privaten Kreisen Marihuana gegen das Kopfweh zu rauchen. Was nichts brachte, ausser, dass ich wieder anfing Zigaretten zu rauchen. Kaffee und Zigaretten tun mir gut, wenn ich Anfälle habe. Meine Lust darauf steigt mit dem Schmerzpegel einer Clusterattacke. Die beiden Substanzen Koffein und Nikotin haben eine gefässverengende Wirkung, genau wie das Medikament, das ich gegen die Attacken nehme. Ich rauche viel, Süchtig bin ich trotzdem nicht, denn ich kann durchschlafen, ohne von Nikotinentzug geweckt zu werden.
Aber der Glaube an die Gefährlichkeit des Rauchens führte zu einer neuen Antiraucherkampagne. Diesmal von der Lungenliga initiiert. Diese Inititiative gegen das Passivrauchen liess viel Geld in die Kassen des gemeinnützigen Vereins fliessen. Anhänger genauso fanatisch, fundamentalistisch wie die von Lucy Gaston’s „Anti-Tabak-League verhalfen ihr zum Erfolg.

Waren bei Lucy Gaston noch religiöse Gründe das Motiv, das Lustfeindliche, das im Namen Gottes ausgemerzt werdene musste, so ist es heute der schon fast religiöse Glaube an die Unversehrbarkeit des Körpers. Die Gesundheit als Pflicht des Bürgers. Gepaart mit dem Neid auf das Glück der anderen. Raucher sind gesellige Menschen, man trifft sich lauter Fremde irgendwo draussen und wird zu einer flüchtigen Einheit für die Länge einer Zigarette. Dabei verschwinden soziale Grenzen und Herkunft. Man teilt zusammen einen Genuss. Den Genuss des Tabakkonsums.

Das ist den Gegnern ein Dorn im Auge. Lust genügt sich selber, das wusste schon Lucy Gaston und wer ohne Gottes Gnade Lust empfindet, der sündigt. Lust ist heute verpönt. Nicht Lust soll die Menschen befriedigen.Sie sollen überhaupt nicht befriedigt werden, sondern ewig auf den Lohn hinarbeiten. In dem sie essen, was als gesund gilt, gesund bleiben und Schuldgefühle haben, wenn sie ein Stück Sahnetorte essen, Pommes oder Chips essen. Nur wenn man ihnen immer wieder neue Ideologien und Ersatzhandlungen verkaufen kann, die Erfüllung aber unerreichbar bleibt, hat man die Herde unter Kontrolle. Das entspricht der Macht der Religionen. Warum soll sich die Politik und der kleine Mann nicht auch dieser Macht bedienen. Wieso sollen Leute lustvoll etwas konsumieren, dass man selber nicht tut oder nicht verträgt.
Nichtraucher zu sein, macht einem wie der Status des Vegetariers oder des Veganers zum besseren reineren Menschen. Und somit die anderen zu willenschwachen „minderen“ Menschen, über die man sich dann erheben kann und über die man urteilen darf. Ja, die jeder Nichtraucher jederzeit und überall mit dem Hinweis, dass Rauchen ungesund und neuerdings mit dem Vorwurf den anderen zu schaden (Passivrauchen) degradieren kann.

Die wissenschaftlichen Beweise für die Gefahren des Nichtrauchens konnten nie erbracht werden. In den 80er Jahren wurden 53 Studien in einer Metaanalyse untersucht und festgestellt, es gibt keinen Beweis, dafür dass Passivrauchen das Leben verkürzt. Eigentlich verlängert es das Leben sogar. Vielleicht färbt die Lebenslust der Raucher auch auf die militanten Nichtraucher ab, wenn sie sich in deren Gegenwart aufhalten müssen.

Als das Institut von Heidelberg eine Studie veröffentlichte, in der aufgelistet wurde, dass im Jahre 2005 in Deutschland 3301 Menschn an den Folgen des Passivrauchens gestorben waren, waren unter diesen Toten 85jährige. Bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass ausser Organversagen, Herzstillstand bei eine Autopsie nicht viel mehr festgestellt werden kann. Erst das Wissen, dass jemand geraucht oder jemand in seiner Umgebung geraucht hat, wird als Interpretation herbeigezogen umd alle anderen Faktoren auszuschliessen und den Tod auf Passivrauchen zurückzuführen.

Der Neid auf das Glück der anderen treibt die Mission der Lustfeindlichen an. Haben wir keine Lust, keinen Genuss, dann soll das auch den anderen nicht vergönnt sein. Ob das Gefühl, als Nichtraucher oder wahlweise Vegetarier oder Veganer all diesen Nichtasketen, der Sinneslust frönenden überlegen zu sein. Die besseren Menschen zu sein, Glücksgefühle auslöst, können nur die beantworten die mit Verbissenheit jeden Raucher von seinem Tabakkonsum abhalten wollen. Es muss ein gewisses Gefühl der Überlegenheit im Spiel sein, diejenigen die etwas geniessen, dass zwar ungesund ist – aber das ist vieles – inzwischen schon fast zu Verbrechern gegen die Menschheit zu erklären. Ob es lustvoll ist, sei dahingesetellt.

Ich auf alle Fälle rauche weiterhin ohne schlechtes Gewissen. Denn meinen Genuss ob beim Rauchen oder Essen lasse ich mir nicht nehmen.

Advertisements

Über eidgenossin

Ich bin Jahrgang 63, Wissens-und Bildungsjunkie, Bezügerin eine Invaldienrente wegen chronischer Krankheit (Clsuter-Headaches) Meine Fachgebiete sind Sozialversicherungsrecht. Ich war früher Projektleiterin der Aids-Hilfe-Schweiz und leitete das Projekt APiS. Es wurde 2012 20 Jahre alt und existiert noch immer. Ich gehe mit offenen aber auch kritischen Augen durch die Welt und habe ein fast fotografisches Gedächtnis
Dieser Beitrag wurde unter Blog veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s