Lucy Page Gaston oder die Mission der Lustfeindlichen I

Lucy Page Gaston, evangelikale Methodistin geb. 1860 in Ohio war die erste, die dem Tabakkonsum den Krieg erklärten (Krieg waren ihre eigenen Worte). Der zweite Versuch dem Tabakkonsum zu bekämpfen kam von Adolf Hitler. Die amerikanische Lehrerin Lucy Gaston war dabei erfolgreicher, als der Diktator. Sie und ihre Mitstreiterinnen, schafften es, dass 1893 bis 1921 in insgesamt 14 amerikanischen Bundesstaaten strikte Rauchverbote herrschten.

Unterstützt wurden sie vorwiegend von protestantischen Fundamentalisten, die in allem säkularen aus Europa stammenden eine Verderbung der Sitten sahen. Vielerlei sollte verboten werden: Boxkämpfe und Jazz, anrüchige Tanzveranstaltungen, Alkohol natürlich und der Tabakkonsum. Lucy Gaston war felsenfest davon überzeugt, dass letzterer zu sexueller Promiskuität führe und Menschen zu Verbrechern mache. Die Dame war äusserst resolut und die Polizei von Chicago gestattete ihr sogar jeden Minderjährigen, den sie auf der Strasse rauchen sah, zu verhaften. Von ihr soll auch der Ausdruck „Sargnägel“ (coffin nails) stammen. Ihre Mitstreiterin Carry Nation war noch schlagkräftiger. Gegen die Teufel Alkohol und Tabak ging sie mit Axt und Ziegelsteinen bewaffnet vor und pflegte Bars, in denen Alkohol getrunken und geraucht wurde zu verwüsten. Sie berief sich dabei auf eine Privatoffenbarung von Gott persönlich, der ihr befohlen habe dies zu tun. Auch Lucy Gaston berief sich auf ein Bündnis mit Jesus, wenn sie gelegentlich angefeindet wurde. wurde die Dame selbst der von ihr gegründeten „Anti-Cigarette League“, der 300 000 Menschen angehörten zu radikal und wurde von dieser als Vorsitzende abgesetzt.

Lucy Gaston, die gegen den Tabakkonsum neben Sittenverohung Hang zu Kriminalität auch gesundheitliche Schäden: Trägen Geist, schlaffe Körper, unstillbarer Durst, Delirium tremens, Wahnsinn – und Tod, im Kampf gegen den Tabakkonsum anführte, lebte zeitlebens bei ihrer Mutter starb 1924 – Ironie der Geschichte – als jemand, der nie Alkohol getrunken oder geraucht hatte, an Kehlkopfkrebs.
In der Zeit ihres Wirkens vervierfachte sich in den USA der Zigarettenkonsum. Als erstes wiederief Kansas seine Anti-Zigarettengesetze, 1930 waren Zigaretten wieder in allen US-Bundesstaaten erlaubt. Ein Grund für das Scheitern der Anti-Zigarettenleague war, dass sich die Soldaten im 1. Weltkrieg einfach das Rauchen nicht verbieten liessen.

Der 2. Weltkrieg sollte einer der Gründe sein, warum Hitler den Tabakkonsum nicht gänzlich verbot, auch wenn er als Nichtraucher Propaganda dagegen förderte und unterstützte. Hitler konnte es sich schlicht nicht leisten auf die Einnahmen aus der Tabaksteuer zu verzichten. Nicht solange er Krieg führte. Auch seine Geliebte Eva Braun konnte der Gesundheits-und Reinheitsfanatiker nie vom Rauchen abbringen.

Als Hitler seinen Feldzug gegen den Tabakkonsum startete stand ein Motiv im Vordergrund. Er sah im Rauchen ein Laster der „minderen“ Rassen, ein für Arier „artfremdes Laster gewissermassen. Tabak kommt von den Indianern. Damals geisterte die Vorstellung herum, der Tabak sei die Rache des „roten Mannes“ für das „Feuerwasser“ und das damit verbundene Elend, das der „weisse Mann“ zu den Indianern gebracht hatte.
Ausserdem war Hitler – der in seiner Jugend angeblich 40 Zigaretten geraucht hatte, bevor er zum Nichtraucher konvertierte – ein Reinheitsfanatiker. Er war nicht nur von der Reinheit des Körpers besessen, sondern auch von der Reinheit des Volkskörpers. Zeitlebens begleitete ihn die Angst, der eine oder andere könnte „kontaminiert“ werden. Der Körper des Einzelnen durch Tabak, der Volkskörper durch Juden oder Zigeuner.
Hitler hasste das Rauchen und konnte trotz seiner Machtfülle nicht viel dagegen unternehmen. Wie oben schon erwähnt aus rein pragmatischen Gründen. Gewollt hat er es sicher und geplant für die Zeit nach dem Endsieg. In seiner Amtszeit wurde der Tabakkonsum in Amtsstuben untersagt, die Tabakwerbung verboten und Losungen wie: „Die Deutsche Frau raucht nicht“ herausgegeben. Der Tabak zum „Volksfeind“ erklärt. Goebbel selber starker Raucher schwächte ab 1941 gegen den Willen Hitlers diese Propaganda stark ab. Vor Kriegsbeginn wurde zwar noch darüber nachgedacht, der Wehrmacht keine Zigaretten abzugeben – Hitler glaubte Nikotin würde die Kampfkraft der Soldaten schwächen, aber zu Kriegsbeginn verzichete er auf ein Verbot, er war auf die Soldaten angewiesen.

Studien sollten belegen, dass Rauchen schädlich ist. Die Stunde der „Wissenschaft“ hatte geschlagen.

Fritz Linckit seinen Angaben zu Folge, Unterarzt und einfacher Sanitäter in der Wehrmacht, aber kein Nazi, gehörte in jener Zeit zu jenen, die sich intensiv mit den Gefahren des Tabakkonsum beschäftigten. Ihm verdankt die Welt das Wort „Passivrauchen“. Im Jahr 1941 hatte die Universiät Jena in Auftrag von Hitler (er hatte 100 000 Reichsmark aus seinem privaten Vermögen zur Verfügung gestellt) ein Institut „zur Erforschung der Tabakgefahren“ errichtet. Der junge Köllner Mediziner Franz Hermann Müller hatte zwei Jahre davor Zusammenhänge zwischen Rauchen und Lungenkrebs aufgezeigt. Er hatte festgestellt, dass Raucher öfter Lungenkrebs bekommen als Nichtraucher. Er schloss viele andere Entstehungsursachen (Staub, Autoabgase, Tuberkulose, Röntgenstrahlen und Fabrikabgase) nicht aus, meinte aber dass die „Bedeutung des Tabakrauchs immer mehr in den Vordergrund gerückt sei und nun gründlich erforscht werden sollte. Zu diesen Forschern gehörte auch Fritz Linckit.

Linckit, der von „Reichsgesundheitsführer“ Leonardo Conti protegiert wurde, veröffentlichte 1939 in Stuttgart sein 1200-Seiten-Buch „Tabak und Organismus publizieren, in dem nicht nur das „Passivrauchen“ behandelt wird, sondern auch Fragen der „Rassenpflege“ und der „Rassenhygiene“ Lucy Gaston damals schon 15 Jahre tot, hätte ihre wahre Freude an den Ausführungen Linckits gehabt.

Quelle: „Der Krieg gegen die Raucher. Zur Kulturgeschichte der Rauchverbote v. Walter Wippersberg

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Über eidgenossin

Ich bin Jahrgang 63, Wissens-und Bildungsjunkie, Bezügerin eine Invaldienrente wegen chronischer Krankheit (Clsuter-Headaches) Meine Fachgebiete sind Sozialversicherungsrecht. Ich war früher Projektleiterin der Aids-Hilfe-Schweiz und leitete das Projekt APiS. Es wurde 2012 20 Jahre alt und existiert noch immer. Ich gehe mit offenen aber auch kritischen Augen durch die Welt und habe ein fast fotografisches Gedächtnis
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