Gezielt gegen sexuelle Belästigung

Ich bewege nicht nicht oft im öffentlichen Raum und wenn, dann meide ich aus anderen Gründen Menschengedränge und Anlässe, die solche verursachen können. Ich benutze abgesehen von Trams auch kaum öffentliche Verkehrsmittel.
Sexuelle Belästigung erfahre ich kaum mehr, kenne sie fast nur noch aus Erzählungen von Freundinnen.

Das letzte Mal, an dem ich (sexuell) belästigt wurde war am 22. Dezember 2015. Dafür gleich zweimal am selben Abend. Doch davon später.

Es wird zur Zeit viel über unsere Werte und ,dass bei uns Frauen respektiert werden diskutiert. Es entsteht der Eindruck, dass es bevor dunkelhäutige Flüchtlinge zu uns kamen, keine sexuelle Belästigung von Frauen gegeben hätte. Dem ist nicht so.

Meiner ersten sexuellen Belästigung ging eine Verletzung der sexuellen Integrität voraus. Ich wurde mit 13 vergewaltigt. Von einem Ausländer. Im Ausland. Genauer gesagt, an einer Fasnacht im grenznahen Deutschland von einem jungen deutschen Mann.
Die Anhörung durch die Polizei war entwürdigend. Der Täter wurde gefasst. Ob er verurteilt wurde, weiss ich bis heute nicht. Als ich 10 Jahren später für mich die Geschichte aufarbeitete, fragte ich beim damals zuständigen Gericht an. Die Akten waren schon vernichtet.

Über den Vorfall wurde in meinem strengen katholischen Elternhaus nicht gesprochen. Ein Jahr später wurde ich an einer Fasnacht auf dem Heimweg von einem älteren Mann aus dem Dorf sexuell belästigt. Ich stiess ihn empört zurück, worauf er meinte: „Brauchst Dich nicht so anzustellen. Du magst das ja scheinbar.“ Und dann kam noch so an Spruch in die Richtung „wenn Du es schon mit einem von da drüben machst, brauchst Du Dich hier nicht zu zieren“.

In den Augen gewisser männlicher Dorfbewohner war ich mit 14 Jahren ein Flittchen, weil ich Opfer sexualisierter Gewalt war. Mit diesen Werten bin ich aufgewachsen.
Später arbeitete ich im Gastgewerbe, wo man in gewissen Lokalen durchaus erwartete, dass ich Männern noch mehr entgegen zu kommen habe, als bloss das übliche Gegrapsche zu dulden. Nur ein Chef wagte es einem, der mich dauernd versuchte anzufassen oder es auch tat, Hausverbot zu erteilen. Ich erinnere mich gut daran, denn dieser Mann warf in seiner Wut einen Glasaschenbecher nach,der mich glücklicherweise verfehlte.

Als ich in den 80er Jahren in die Sexarbeit einstieg, lernte ich als erstes: „Erst wird gezahlt, dann darf angefasst werden“. Das machte mich viel sicherer und selbstbewusster im Umgang mit lästigen Männern, auch privat.
1989 outete ich mich öffentlich ein einem Magazin und stand von da an auch zu meiner Arbeit. In einer Bar, in der ich gelegentlich nach Feierabend auf einen Drink einkehrt, fragte mich ein Mann nach meinem Beruf. „Sexarbeiterin,“ sagte ich und er griff reflexartig an meine Brüste. Daraufhin griff ich fast genauso reflexartig an seine Kronjuwelen. Nicht sanft sondern sehr bestimmt. Er fiel fast vom Barhocker und fragte empört. „Was soll das?“
„Du hast mir gerade eben an den Busen gelangt“
„Das ist etwas anderes“
„Was ist daran anders?“
Die Frage hat er mir nicht beantwortet. Er zahlte und verliess fluchtartig das Lokal. In der Bar wurde ich danach nie wieder belästigt.

Am 22. Dezember letzten Jahres an einem Anlass, an dem ich als ehemalige Sexarbeiterin eine Geschichte erzählen musste, setzte sich nach dem Essen ein Mann zu mir, um etwas mit mir zu Plaudern. Er rückte immer näher und fragte dann unvermittelt: „Stumpft das das Empfinden nicht ab, wenn man es so oft macht, wie Du es gemacht hast?“
Ich flüchtete unter dem Vorwand, draussen eine rauchen zu wollen. Das Frauengruppe, das sich aus demselben Grund vor der Türe versammelt hatte, wusste schon Bescheid. Man wollte nur noch wissen, was der Typ gesagt hat. Man hätte es mir angesehen, dass mir nicht wohl war neben diesem Tischnachbarn.

Später am Abend als ich an der Tramhaltestelle auf das letzte Tram wartete, kam ein anderer Mann, den ich ebenfalls nicht kannte auf mich zu, ergriff im Schritt meine Hand und wollte mich mit sich ziehen. „Komm wir gehen noch einen trinken“
Er wehrte ab. Er blieb. Er erzählte, dass er von Basel komme, 17 Bier intus hätte und jetzt auf den ersten Frühzug auf Rapperswil warten müsse. Er verstand nicht oder wollte nicht verstehen, dass ich keine Lust hatte, ihm die Wartezeit mit meiner Gesellschaft zu versüssen. Er stieg sogar mit ins Tram, setzte sich neben mich und fuhr eine Station mit. Dann stand er auf gab mir die Hand, ergriff meine, zog mich an sich und versuchte mich zu küssen. Ich stiess ihn weg und Gott sei Dank stieg er dann aus.

Zurück blieb dieses schale Gefühl, das in solchen Situationen immer zurückbleibt und das wohl fast alle Frauen kennen. Diese Frage, wie kann sowas verhindern, wie hätte ich mich noch verhalten können. Fakt ist. Verhindern kann man es nicht, solange es Männer gibt, die es als selbstverständlich betrachten, dass Frauen eine Masse sind über die sie jederzeit nach ihrem Belieben verfügen können.

Anzeigen bringt in einem solchen Fall nichts. Juristisch gesehen, war es keine sexuelle Belästigung, er hat mich ja nicht an Geschlechtsteilen angefasst. Da er betrunken war, wäre auch geltend gemacht worden, dass er nicht voll zurechnungsfähig war.
Vorausgesetzt die Polizei hätte eine Anzeiger überhaupt entgegen genommen. In Gedanken hörte ich schon die Argumente, mit denen sowas abgewiegelt wird. „Nun stellen Sie sich mal nicht so an. Es ja nichts passiert“ usw.

Der Kursleiter eines Kurses für Selbstverteidigung für Frauen hatte mir vor 20 Jahren gesagt.“Die einzige Sprache, die Männer verstehen ist gezielt zuschlagen“. Tue ich auch, allerdings nur verbal oder ich werde ernsthaft körperlich bedroht. Aber hätte ich an diesem Abend zuschlagen sollen. Nein.
Wie die meisten Frauen möchte ich nicht in einer Gesellschaft leben, in der man noch mehr über Gewalt kommuniziert als das eh schon der Fall ist.

Aber ich überlege mir ernsthaft, beim nächsten selbsternannten Gentleman der mir auch nur einen Kuss rauben will, wieder den direkten Griff an die Eier anzuwenden. Ganz Ladylike versteht sich

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Zum Freiwild erklärt

Das Seefeldquartier in Zürich hatte schon in den 60er Jahren einen Strassenstrich. Als Mitte 70er Jahre das Salonverbot aufgehoben wurde, ging dieser zwar zurück und wurde von den Profisexworkern nur noch gelegentlich genutzt. Ende der 80er Jahre kamen vermehrt Drogenkonsumierende Sexworker ins Zürcher Seefeld, um dort zu arbeiten. Einige waren schon immer Profis gewesen, die eben auch Drogen konsumierten, andere kamen nur, um sich das Geld für Drogen zu beschaffen.

1989 wurde vom Sozialamt der Stadt Zürich unter der damaligen Sozialvorsteherin Emilie Lieberherr das Projekt „Lila Bus“ im Seefeld installiert. Es war die erste Frauenanlaufstelle im Suchtbereich dieser Art. Der Bus stand tagsüber im Quartier und öffnete seine Türen erst um 22 Uhr. Bis 5 Uhr morgens stand er ausschliesslich Frauen zur Verfügung. Drogenkonsumentinnen konnten das niederschwellige Angebot nutzen, um sich mit Kondomen einzudecken, Spritzen zu tauschen, sich zu waschen oder etwas essen oder trinken.
Ab 1990 bot der Bus auch jeweils Samstag Nachts Prostitutionsberatung an. Diese Prostitutionsberatung deckten ich und eine andere Ex-Sexworker ab.
Wir berieten die Frauen hauptsächlich in der Frage, wie man Gewalt von Freiern verhindert.

Auf dem Platzspitz und beim Letten enstand damals gerade die grösste offene Drogenszene der Schweiz. Die Frauen, die sich ihr Geld für die Drogen via Sexarbeit beschafften kamen ins Seefeld, weil sie dort im Gegensatz zum Sihlquai, das sich in unmittelbarer Nähe des Platzspitzparkes befindet in Ruhe arbeiten konnten. Es gab zwar vereinzelt Polizeikontrollen, aber die kümmerten sich in erster Linie um Freier.
„Grober Unfug“ oder „Unnötiges Herumfahren im Quartier“ waren die Straftatbestände, derentwegen unschlüssige, oder auffällige Freier gebüsst werden konnten.

Es gab damals wie auf allen Autostrichen schon Männer, die nur zum Gaffen kamen. Es gab aber vereinzelt auch Freier, die in dieser Anonymität des Autosex ihre Gewaltphantasien ausleben wollten. Die Vorfälle und die entsprechenden Autonummern wurden jeweils den Betreiberinnen des Busses gemeldet und eine Liste mit potentiell gefährlichen Freiern, oder solchen die nicht zahlen wollten lag dort auf.

Der Lila Bus war etwas völlig Neues und verständlicherweise interessierten sich die Medien dafür. Eine Dokumentation und ein Rundschaubericht machten den Anfang der Berichterstattung. Die Absicht dahinter war wohlwollend. Man wollte einerseits aufzeigen, dass man wie in anderen Städten Drogenkonsumenten über niederschwellige Angebote von der Strasse holen und betreuen konnte und das Mitgefühl für die Drogenkonsumierenden Sexworker fördern.

Doch dann übernahmen Boulevardzeitungen, allen voran der „Blick“ dieses Thema ebenfalls. Sie berichteten über die Opfer in Sensationsheischender Form.
Die Drogenpolitik setzte damals mehr und mehr auf Repression. Die Frauen konnten keine Anzeige gegen Freier mehr erstatten, ohne selber von der Polizei wegen illegalem Drogenkonsum und illegaler Prostitution (Der Seefeldstrich war bis dato nur geduldet, aber nicht in der Strichzonenverordnung aufgeführt) Über solches und über die Hilflosigkeit der Sexworker am Sihlquai wurde in den Printmedien berichtet.

Das führte zu einer Art Sextourismus innerhalb der Schweiz. Waren bis anhin nur jene Freier ins Seefeld gekommen, die Drogenkonsumentinnen wegen ihrer scheinbaren Unprofessionalität und ihres jungen Alters bevorzugten (die Frauen vermittelten diesen Freiern das Gefühl, nicht Kunde sondern väterlicher Freund zu sein) kamen sie nun aus der ganzen Schweiz. Gut erkennbar an den Autonummern. Und sie kamen, um sich auszutoben. Hatten sie doch in der Zeitung gelesen, dass die Frauen, Freier nicht anzeigen konnten, dass die Preise niedrig waren und dass man alles bekommen kann, was man will.

Die Gewalt nahm massiv zu. Frauen wurden geschlagen und teilweise auch sadistisch gequält, ausserhalb der Stadt abgesetzt, man raubte sie aus und nahm ihnen das Koks weg. Da es in der Zeitung gestanden hatte, suchten sich viele dieser Freier, gezielt Frauen aus, die auf dem Entzug waren und es sich nicht leisten konnten, einen Kunden abzulehnen und auch wenn sie ein ungutes Gefühl hatten in jedes Auto einstiegen. Besonders pervers fand ich, dass auf der Liste im Bus plötzlich viele Kleinwagen auftauchen,die mit dem Vermerk versehen waren, „hat Kindersitz auf dem Rücksitz“.

Die repressive Drogenpolitik hatte die „Opfer“ zu Freiwild erklärt, die Presse sorgte dafür, dass der Mob es erfuhr und im Wissen, keine Strafverfolgung befürchten zu müssen die Jagd eröffnete.

Zunehmend beschwerten sich Anwohner über die Schreie der Frauen. Der Lila Bus wurde 1992 geschlossen. Die Anlaufstelle an die Zollstrasse verlegt.

Nach der Platzspitzschliessung hörten viele Drogenkonsumentinnen mit dem anschaffen auf. Sie kamen ins Drogenabgabeprogramm und waren nicht mehr auf das Geld angewiesen. Jene, die weiterhin arbeiteten, weil sie Geld für anderes verdienen wollten, kehrten ans Sihlquai zurück.

Dort sollte sich das Ganze wiederholen. 2010 verschwanden mehr und mehr die billigen Absteigen im Quartier und die Sexworker mussten wieder Sex im Auto des Kunden anbieten. Sie wichen dafür auf Hinterhöfe und ruhig gelegene Parkplätze aus.
Das Sozialamt der Stadt eröffnete wieder eine mobile Anlaufstelle namens „Flora Dora“, doch denen ging das gewohnte Klientel aus. Die wenigen noch verbleibenden Drogenkonsumentinnen wurden bald von den Ungarinnen und Rumänien, die mit 3 Monatebewilligungen für EU-Mitglieder in die Stadt kamen um anzuschaffen, vertrieben. Profis vertreiben Drogenkonsumentinnen oder Gelegenheitssexworker nicht aus reiner Bosheit von Strassenstrichen. Sie tun das aus gutem Grund. Frauen, die auf Strassenstrichen arbeiten müssen sich wehren können. Frauen, die den Eindruck erwecken leichte Beute für zahlungsunwillige oder gewalttätige Freier zu sein, schaden dem Image des Strichplatzes und ziehen eben solche Freier an.

Die Stadt verzichtete aber lange darauf auch nur Toilettenhäuschen aufzustellen oder sanitäre Anlagen zu installieren. Die Anwohner beklagten sich mehr und mehr über Dreck auf den Strassen und über den Gestank. Mangels Absteigen oder anderer Möglichkeiten verrichteten die Arbeiterinnen ihre Notdurft in den umliegenden Gärten oder hinter Büschen und Hecken.
Von aussen entstand der Eindruck, die Stadt wolle, dass sich die Situation am Sihlquai verschlechtere oder gar eskalieren würde

Zur Eskalation trugen auch am Sihlquai die Medien bei. Die Gratiszeitungen „BlickamAbend“ und „20min“ berichteten über Preisverfall, böse Zuhälter und hilflose Opfer, „Roma“, die für Geld jede Art von sexueller Dienstleistung anboten. Ein 2012 erstellter Freierbericht der Stadt Zürich zeigte Erschreckenden auf. Freier, weigerten sich den geforderten Preis zu zahlen, zogen sich während des Geschlechtsaktes das Kondom wieder aus, beschimpften und schlugen die Frauen oder versuchten sie zu Praktiken zu zwingen, die diese nicht anboten. Die Autos der Gaffer -auch solche ziehen entsprechende Berichterstattungen an – fuhren hupend durchs Quartier, die Frauen wurden aus den Autos heraus beschimpft, bespuckt und mit Gegenständen beworfen.

Alleine schon die Betitelung „Roma“ für die Sexworker am Sihlquai liess eine Welle von Fremdenhass und Rassismus aufkommen und machte die Sexworker zu Opfer, die offiziell von der Gesellschaft als Freiwild freigebeben worden war.

Die Strategie ging auf, der Sihlquai wurde zur verbotenen Zone, in Altsstätten entstanden dafür die Sexboxen. Die Frauen wurden von der Polizei mit happigen Bussen vertrieben und im Sihlquai wurde es wieder ruhig.

Informationen sind eine heikle Sache. Oft ist es Medien- und Projektverantwortlichen nicht bewusst, dass Aufklärung über Missstände, auch völlig aus dem Ruder geraten können. Medien wiederum, die sich zu sehr auf Opferklischees konzentrieren und dabei ausblenden, dass es auch immer um Menschen mit einer Biografie, nicht einfach nur um Objekte geht, vergessen, dass sie mit ihrer Berichterstattung Opfer zu Freiwild machen. Gerade das genüssliche Ausbreiten von Elend, ob wirklich oder vermeintlich, Etikettierungen, die Fremdenfeindlichkeit und Rassismus fördern, fördern auch die Gewalt durch Täter, die sonst nicht in Erscheinung treten.

In der ganz normalen Arbeitswelt würde man das Mobbing nennen. Bei Sexworkern, bei Sozailhilfempfängern, bei IV-Rentnern, bei MigrantInnen und bei den Fahrenden hat dieses Mobbing genauso Existenzbedrohenden Folgen, wie bei denen, die in einem Betrieb arbeiten. Nur, dass man den Leuten nicht nur den Zugang zum dringend benötigten Einkommen erschwert oder verunmöglicht, sondern dass man ihnen generell auch noch die Existenzberechtigung abspricht. Und wer keine Existenzberechtigung hat, der ist Freiwild, mit dem darf Otto Normalverbraucher machen, was er will. Man schafft also mit fahrlässiger Politik und fahrlässiger Berichterstattung nicht nur Opfer sondern auch Täter.

Ein Artikel zum Thema aus der WOZ vom November 2012
Im distanziertem Gaffermodus

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#Primeur sind die #Selfies der Chefredaktoren

Der #Primeur ist der #Selfie des Chefredakteurs

Als #gerigate von der Schweiz am Sonntag los getreten wurde, habe ich mich geärgert.
1. Weil mich das Privatleben eines Politikers nur dann interessiert, wenn er damit sein Amt missbraucht oder der Allgemeinheit Schaden zufügt.
2. Weil ich um meine Sonntagslektüre betrogen fühlte. Es wurde nur noch darüber berichtet und es wird es immer noch.
3. Weil ich als ehemalige Sexarbeiterin gewisse moralische Entrüstungen nicht nachvollziehen kann.

Warum machen Männer (und auch Frauen) #Nacktselfies?. Weil sich jeder als was besonderes sieht, als ein Geschenk für den oder die Angebetete oder eben die Welt. Geri Müller hat sich auf seine gerade aktuelle Angebetete beschränkt. Veröffentlicht und zum Skandal erklärt hat es hingegen ein Chefredakteur einer Sonntagszeitung.

Warum machen Chefredakteure sowas. Der Primeur ist halt auch sowas wie ein Selfie. Einer mit Worten. Mann sieht sich als Enthüllungsjournalist und somit als „Geschenk“ für die Leserschaft.

Sein gutes Recht. Das Recht eines jeden Journalisten. Schlimm wird die Sache allerdings nur, wenn eben dieser Journalist am folgenden Sonntag noch immer darauf beharrt ein Nacktfoto, dass ausser ein paar Redaktionsmitglieder und die betreffende Dame noch niemand gesehen hat, sei politisch relevant. Patrik Müller versteift sich sogar darauf, seine persönlichen moralischen Vorstellungen als relevant zu verkaufen und mit derselben den Rücktritt eines Exekutivpolitikers zu fordern, der nicht mal soviel Macht hat wie er als Chefredakteur.
Das ist Selfie pur. Masslose Selbstüberschätzung. Getoppt wird das Ganze nur noch, dass die AZ-Medien auf allen ihren Kanälen, den Rücktritt fordern, sich als moralische Instanz aufführen und kurzer Hand auch noch bestimmen, was Privatsphäre ist und was nicht. Wie heute Abend geschehen im @Talktaeglich auf Tele Züri.

Viel Sex kommt in der Geschichte ja nicht vor. Viel Phantasie hat aber scheinbar Patrik Müller haben, wenn er eine solche Story, zum Skandal hochpusht. Und damit auch ganz viel blinde Flecken in der Wahrnehmung der Realität. Natürlich macht kein Politiker, kein Badener Bürger Nacktfotos, besucht Pornoseiten im Internet oder geht fremd.

Blenden wir diese Realität doch mal ein. Ein Stadtamman, dazu noch einer relativ unbedeutenden Kleinstadt im Aargau ist nichts anderes als ein Verwalter. Er hat kaum politische Macht, denn wichtige Entscheidungen werden wohl auch im Badener Stadtrat gemeinsam gefällt und der Stadtamman hat wohl mehr repräsentative und administrative Aufgaben, als irgendein amerikanischer Politiker.
Baden ist kein Folgeschaden entstanden, denn auch die Repräsentation eines Stadtammans sind aufs lokale Publikum beschränkt.

Das Rathaus in Baden ist keine Kirche, kein heiliger religiöser Ort (der Nationalratssaal übrigens auch nicht), der durch das Verhalten eines Amtsträgers entweiht werden kann.
Die Ständerätin Christine Egerszegi ist weder politisch die Vorgesetzte vom Badener Stadtpräsidenten, noch das moralische Oberhaupt der Stadt. Zumindest hat sie bis heute ausser ihr selber niemand dazu ernannt.

Auch Patrik Müller ist nicht die moralische Instanz der Schweiz, die bestimmt, was anrüchig ist und was nicht.

Nacktfotos sind höchstens peinlich. Gerade dann, wenn sie in die falschen Hände kommen. Aber auch Exekutivpolitiker haben ein Privatleben und müssen in diesem jemandem vertrauen können.
Dass sich Geri Müller da getäuscht hat, ist nicht tragisch, er ist ja nicht Aussenminister.
Verwerflich ist hingegen, wenn ein Chefredakteur zwecks Selbstüberschätzung das Ganze als politischen Skandal verkauft und noch darauf besteht, dass die Leserschaft das gefälligst auch so zu sehen hat.
Er hat es veröffentlicht. Nicht Geri Müller.

Liebe Medien, liebe Enthüllungsjournalisten, liebe selbsternannte HüterInnen der Moral, schaut euch doch mal auf dem Internet um. Es gibt nicht jugendfreie Seiten, da wird einiges mehr geboten als nur ein Nacktfotos. Und hört auf davon zu träumen, dass Erwachsene Skype nur zum Reden nutzen.

Journalisten sollten mal in ein Puff gehen. Nicht um ihre Lust zu befriedigen, sondern um sich zu informieren, was sexuelle Phantasien denn wirklich sind. Ihr könntet rote Ohren bekommen, wenn ihr erfährt, was sich so in Köpfen von Hinz und Kunz abspielt oder auch nicht.

Ich für meinen Teil mag lieber Leute, die über sexuelle Phantasien verfügen, auch als Politiker. Denn das setzt voraus, dass man selber denkt und es heisst, dass jemand kreativ ist. Diejenigen, die keine sexuellen Phantasien haben oder nur eine schmutzige Phantasie darüber, was andere Amoralisches tun könnten, die haben auch keine eigene Meinung. Die überlassen auch das Denken anderen.

Ich werde Geri Müller, wieder meine Stimme für den Nationalrat geben. Auf Patrik Müllers Meinung in der Schweiz am Sonntag werde ich in Zukunft jedoch verzichten

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Der Gossweiler/Maurer – Effekt

Wenn sich eine Gesellschaft entwickelt, in der nicht mehr solidarisch und gemeinsam gefeiert wird, sondern nur noch jeder gegen jeden im Wettkampf antritt. Wenn sich eine Gesellschaft entwickelt, wo die persönliche Freiheit darin besteht, vom Staat verlangen zu können, alles aus seinem Blickfeld zu entfernen, was einem nicht passt. Von den Kampfhunden über dicke Menschen bis zum Raucher. Wenn eine Gesellschaft entsteht, die sich vor allem, was Lustbetont ist ekelt (Sex, Fleisch, Süsses, Alkohol usw), dann kommt die Forderung auf: „Mach es zu Hause“
Im antiken Griechenland war der Terminus für jene, die sich ausschliesslich mit Eigenem und Privatem beschäftigten Idioten
Dieses gezwungenermassen im öffentlichen Raum angepasst und genormt zu sein, schafft dann jene, die nicht den Idealen entsprechen. Die, die anders aussehen, sich anders kleiden, anders benehmen, die werden dann als nicht-dazugehörig betrachtet.
Aussenseiter entwickeln dann automatisch einen Gegenreflex.
„Wenn ihr schon denkt, ich sei primitiv, dann spiele ich für euch halt den Primitiven“
Der Twitter und Journalist Andreas Gossweiler und einige anderer Twitterer frönen diesem Prinzip. Auf Twitter streitet man sich dann je nach Fall, ob es sich um „Trolle“ handelt und wie mit diesen Provokateuren umzugehen ist.
Was auf Twitter das „Gossweilerprinzip“ ist, das ist in der Politik das „Maurerprinzip“. Der BR Ueli Maurer weiss,dass ihn Intellektuelle als primitiven Bauern sehen, darum macht er auch auf primitiv. Denn neben jenen, die ihn deswegen verächtlich betrachten hat er noch die eigene Gruppe. Jene, die sich gerade in diesem populistisch/primitiven Auftreten und Verhalten erkennt, weil man sie auch als das betrachtet, fühlen sich dadurch dazugehörig. Im Gegensatz zu einer unbedeutenden Gruppe auf dem Pausenplatz oder in den Socialmedia sind jene die Ueli Maurer applaudieren und über seine Witze lachen jedoch Mitglieder einer zwar (noch) verachteten Gruppe Andersartiger, aber einer Gruppe, mit politischem und gesellschaftlichem Einfluss.

Wenn sich also das Prinzip des primitiven Populismus, des primitiven Beschimpfens egal wo, ob im Internet oder im realen Leben als das durchsetzt, dass es zur Norm wird, dann hat der Gossweiler/Maurer-Effekt letztlich, trotz aller vorhergehenden Schmähungen gewonnen

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Was man mit Gewehren machen kann

„Frank ging zu den beiden Soldaten hinüber und fragte, auf was sie schössen .

„Auf ein Ratte“, antworteten sie, laut lachend.
„Auf eine Ratte – Ach so! „sagte Frank und kniete sich nieder um dem Soldaten über die Schulter zu sehen.
Auch wir waren hinzugetreten , und die Damen lachten und flöteten und hoben den Kleidersaum etwas hoch, wie Frauen gewöhnlich tun, wenn von Raten und Mäusen die Rede ist.
„Wo ist die Ratte?“ fragte Frau Brigitte Frank.
„Achtung!“ rief der Soldat und zielte abermals. Aus dem Fuss der Mauer ausgehöhlten Loch tauchte ein schwarzer Schopf auf zerraufter Haare auf, dann zwei Hände, die sich auf dem Schnee vorstasteten. Es war ein Kind.
Der Schuss knallt, aber auch diesmal verfehlte er um ein weniges sein Ziel. Der Kinderkopf verschwand.
„Gib her“, sagte Frank mit ungeduldiger Stimme, „du weisst nicht einmal wie man ein Gewehr hält.“ Er ergriff das Gewehr und zielte.
Der Schnee fiel lautlos .

Aus Curzio Malaparte „Kaputt“ Kapitel „Die Ratten von Jassy“
Curzio Malaparte geboren mit dem Namen Kurt Erich Suckert starb 1957 in Rom. Er arbeitete als Kriegsberichterstatter bei „La Voce“ „La Stampa“ und „Corriere della Sera“ Er schrieb „Kauputt“ und „Haut“

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„Die Schweiz erhielt die Kündigung“

Folgender Text ist die Urversion einer Kolummne von Victor Giacobbo, die anlässlich der 700 Jahr-Feier 1991 im Nebelspalter erschienen ist.
Herr Giacobbo hat mir den Text vor 6 Jahren auf meine Bitte hin gemailt, weil ich ihn meinem damaligen österreichischen Partner zeigen wollte.

Er passt zum „Vorabend“ der Abstimmung über die „Masseneinwanderung“. All jenen Eidgenossen, die Angst vor der Überfremdung haben, Angst die Schweiz werde mehr und mehr zu einer Enklave des Auslandes, sei gesagt: Seid froh, dass es so ist, wie es ist, denn es hätte schlimmer kommen können.

Meine Schweiz
v. Victor Giacobbo

Meine Schweiz gibt es nicht mehr. Und Ihre, liebe Leser, eigentlich auch nicht. Warum? Weil es bisher niemand für nötig gehalten hat, das Kleingedruckte bzw. Kleingeschriebene auf dem Bundesbrief genau zu lesen. Gemäss den Anmerkungen auf der unbeachteten Rückseite des Briefes war der im Jahre 1291 geschlossene Bund lediglich ein für die Periode von 700 Jahren gedachter Zusammenschluss mit provisorischem Charakter. Nach Ablauf dieser Zeitspanne, so der Wortlaut des Schriftstückes, verpflichten sich die eidgenössischen Stände oder deren Folgeorganisationen, das gesamte Land samt seinen zusätzlich eroberten Gebieten wieder dem rechtmässigen Eigentümer, nämlich Österreich, zu überantworten. Dies wäre allein schon Schmach genug. Aber die zahlreichen Österreicherwitzee, der vergangenen Jahre haben unsere Nachbarn nicht vergessen. So kam denn, was kommen musste: Die Schweiz erhielt die Kündigung.Bis Ende 1991 muss das gesamtee Staatsgebiet der heutigen Eidgenossenschaft geräumt, gereinigt und in einwandfreiem Zustand den österreichischen Besitzern bzw. BEsatzern übergeben werden. Grund: Eigenbedarf. Trotzdem zeigen sich die Österreicher gnädig – als vorübergehenden Wohnort haben sie uns das Fürstentum Liechtenstein zugewiesen. Glücklicherweise hat der Bundesrat bereits heute die Initiative ergriffen, um die grosse Züglete speditiv durchzuführen. Als erste Massnahme hat er in einem eindringlichen Appell die Weltöffentlichkeit aufgefordert, der Schweiz mit Bananenschachteln auszuhelfen. In einer zweite Phase wird die Landesregierung das mietrechtlich obligatorische Weisseln (weiss streichen Anm. der Bloggerin) der Berggipfel in die Wege leiten. Ferner wird das Departement für auswärtige Angelegenheiten allen Ländern dieser Welt die Adressänderung (Schweiz c/o Vaduz) zukommen lassen. Und dann bleibt uns nur noch die Ortschilder abzumontieren, die Réduit-Bunker besenrein zu hinterlassen, den Urnerboden zu versiegeln und die Eigernordwand frisch zu tapezieren. Den nächsten Vertrag werden wir genau durchlesen, bevor wir ihn in eine Museumsvitrine legen und lauthals eine Feier organisieren. Dabei fällt mir ein: Ist Österreich überhaupt ist Österreich überhaupt rechtlich in der Lage, uns das Fürstentum zu vermieten?

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Einwanderung löst mehr Probleme als sie schafft

In der Berner Zeitung BZ schreibt Peter Jost über die Probleme, die die sogenannte Masseneinwanderung mit sich bring. Ausländer beziehen angeblich mehr ALV und mehr Sozialhilfe als Schweizer. Er fordert eine Risikoprämie bei der ALV für die Ausländer.
Das ist arrogang, anmmassend und selbstherrlich. Wer Schweizer ist und wer nicht definiert ein rotes Büchlein. Die Schweiz hat nur soviele Nichtschweizer, weil sie die strengsten Einbürgerungsverfahren in Europa hat. Die Schweiz mag eine Insel sein, aber keine im Ozean. Es gibt keine einheimische Rasse, Eingeborene, die schon immer auf diesem Fleck mitten in Europa lebten. Es ist ein Land mit Einwohnern und Bürgern. Und diese Einwohner und Bürger sind unabhängig von der Herkunft oder der Herkunf ihrer Eltern Menschen. Menschen, die hier leben, arbeiten und wohnen. Viele von ihnen sind hier, weil wir sie aus Mangel an eigenen Arbeitskräften oder in gewissen Branchen ausgebildeten Fachkräfte hergeholt haben.
Sie im Bereich der Sozialversicherungen anders zu behandeln, als diejenigen die schon länger hier sind, ist nicht nur unfair, sondern auch gefährlich. Denn würden solche Forderungen durchgesetzt, kämen morgen Risikoprämien für ganz andere Gruppierungen. Für Alte, für Dicke, für die mit braunen Augen usw.

Wir brauchen Menschen diesem Land. Menschen, die mehr können als einen Bauernhof bewirtschaften oder einen Bankschalter bedienen.
Ich war zwei Wochen im #USZ. Ich war in den Händen von Holländern, Deutschen, Türken, Brasilianern, Afrikanern, Tamilen und x anderen Nationen. Auf allen Ebenen von den Ärzten bis zur Pflege. 8000 Leute aus allen möglichen Nationen sorgen da, dafür, dass man Behandlung, Pflege und Essen bekommt. Sie sorgen dafür, dass der Lift funktioniert und die Heizung läuft, ja sogar, dass ich den Luxus eines Internetanschlussess in Anspruch nehmen konnte.
Ich habe sie täglich gesehen, beim pflegen, putzen, versorgen und heilen.
Und ich war in guten Händen.
Hätte ich darauf gepocht nur von Schweizern behandelt und gepflegt zu werden, wäre ich jetzt blind und eventuell schon tot.
Seien wir doch froh, dass diese Ausländer überhaupt noch in dieses von Alltagsrasissmus geprägte Land kommen und uns hier so manches abnehmen, was wir entweder – auch das muss mal gesagt werden – nicht können oder nicht tun wollen.
Die „Masseneinwanderung“ ist ein Befindlichkeitsproblem und nicht mehr.
Die Initiative am 9. Februar anzunehmen, hätte schwerwiegende Folgen. Von der Grundversorgung in den Spitälern über die Pflege in den Altersheim bis hin zu eher unbedeutenden Annehmlichkeiten des Alltags. Und es würde jeden Einzelnen irgendwo irgendwann treffen.

Darum NEIN ZUR MASSENWEINWANDERUNGSINITIATIVE am 9. Februar

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Ein jüdischer Witz – Mein Beitrag zur schweizerischen Humordebatte

Ein Jude zog in ein schlesisches Dorf. Alles Katholiken. Das ging eigentlich ganz gut, ausser, dass am Freitag, wenn die Katholiken bei ihrem obligaten Fisch sassen, der Jude im Garten sein Steak grillte.
Jeden Freitag.
Also beschloss die katholische Gemeinde den Juden zum Katholizsmus zu bekehren. Nach langen Bitten, eindringlichen Drohungen und ein paar Schmeicheleien gelang das auch. Man taufte ihn und besprühte ihn mit Wasser und sprach dazu die Worte:
„Als Jude geboren, als Jude gelebt, jetzt Katholik“
Am folgenden Freitag zogen wieder Rauchschwaden durch die Gärten des Dorfes. Empört rannten alle zum Garten des ehemaligen Juden. Und da stand dieser am Grill und begoss sein Steak mit Wasser und sprach dazu:
„Als Kuh geboren, als Kuh gelebt, jetzt ein Fisch“

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Was Alice Schwarzer wirklich will

Alice Schwarzer will Macht. Nur darum geht es in dieser von ihr entflammten Prostitutionsdebatte.
Mein Neffe hat mich darauf gebracht.Er erzählte mir nach kürzlich abgeschlossener Rekrutenschule, was er im Militärdienst gelernt hatte. Unter anderem direkt sein. „Wenn ich keine Lust habe vor einer Kasse in der Schlange zu stehen,“sagte er, „such ich mir einen Angestellten und sage:“Die Kasse ist offen“. Ich formuliere das nicht als Frage, sondern als Feststellung. Oder ich sage:“Du isst das nicht mehr. Gut, dann nehme ich es“ und dann habe ich es schon genommen. Direkt sein. Keine Fragen stellen, sondern Feststellungen treffen, damit überrumpelt man die meisten Leute und bekommt, das was man will, ohne Umschweife, ohne Verzögerung.“

Das macht auch Alice Schwarzer. Sie hat ein Buch über Prostitution geschrieben, fordert darin ein Gesetz, das Prostitution verbietet und macht das so, dass sie es wahrscheinlich auch bekommt, ohne ein politisches Mandat zu besitzen oder wie in der Schweiz üblich eine Initiative starten zu müssen.
Sie schliesst die Möglichkeit, dass es Frauen gibt, die freiwillig Sexarbeit machen mit einer derartigen Vehemenz aus, dass sich hunderte erfolglos outen könnten. Sie diskutiert nicht über das Thema. Keine Frau macht es freiwillig, so ihre Ansicht und verkauft diese Ansicht als gegeben, als Tatsache, als absolute Wahrheit. Warum?
Ganz einfach aus Taktik. Sie will, dass Prostitution verboten wird, in Deutschland, noch besser in ganz Europa. Sie verkauft das mit dem Argument, dass alle Frauen in der Sexarbeit Opfer sind. Opfer zu sein haben. Da kann sie keine brauchen, die das Gegenteil behaupten, ja sogar beim einen oder anderen Politiker Zweifel aufkommen lassen. Also fragt sie nicht, sondern stellt fest.
Sie hat sich das Thema Prostitution ausgesucht, weil es den Nerv der Zeit trifft und jeder und jede eine Meinung dazu haben. Weil es ein Randphäomen ist, eine Randgruppe, die bereits gesellschaftlich stigmatisiert wird und von der kaum Gegenwehr zu erwarten ist. Sind diese Frauen, egal woher sie kommen und in welchem Bereich der Sexbranche sie arbeiten, alle Opfer, dann wird sie als deren Retterin in die Annalen der feministischen Geschichtsschreibung eingehen.

Es gab trotzdem Widerrede und die wird von ihr nun in jeder Fernsehsendung und in ihrem letzten Artikel in der Emma mundtot gemacht. Frauen sind Opfer, all jene Sexarbeiterinnnen, die öffentlich dazu stehen, sind nicht nur suspekt und unglaubwürdig. Nein sie gibt noch eins drauf und behauptet diese Frauen seien keine Opfer, sondern Täterinnen, sprich Zuhälterinnen. Sehr clever.
Zum einen verhindert sie damit, dass egal wie viele Frauen sich orten würden, alle als unglaubwürdige Mitäterinnen gelten und zementiert jene Stigmatisierung, die es Sexarbeiterinnen verunmöglicht sich zu orten. Sie haben ein Leben, eins ausserhalb der Sexarbeit, haben vielleicht Kinder, einige sind schon Grossmütter. Sie haben ein soziales Umfeld, das nichts von ihrem Beruf oder ihrer ehemaligen Tätigkeit weiss. Sie wollen als das wahrgenommen werden, was sie sind, nicht als das, was man auf sie projiziert und das ist ihr gutes Recht. Alice Schwarzer muss also nicht befürchten, dass sich ihr jemand beim Erreichen ihres Zieles in den Weg stellt, der ihre Mission ernstlich gefährden könnte.
Und dieses Ziel ist nicht, die „Würde der Frau“, nicht den „Menschenhandel zu bekämpfen“. Ihr geht es weder um andere Frauen, noch um echte Opfer, ihr geht es nur um sich selber. Und was kann eine Frau wie sie noch erreichen? Macht. Die Macht einer Gesellschaft und mindestens zwei Generationen von Frauen ihren Willen aufzuzwingen. Dieses Prostitutionsverbot, das Frauen in ihrer Selbstständigkeit einschränkt und sie in erfolgreiche Frauen und Opfer unterteilt wobei sie bestimmt, wer zu welcher Gruppe gehört. Dieses Gesetz, das Männer und Frauen kriminalisiert,wenn sie sich unter bestimmten Umständen miteinander vergnügen.
Die -Frau kann nicht tatsächlich so naiv sein, anzunehmen, dieses Verbot würde das Frauenbild der Männer verändern.- Viel Macht Dazu kämen noch die Lorbeeren eines allfälligen Erfolges in ihrer Biografie.

Macht liebe Alice Schwarzer, das sage ich Ihnen als ehemalige Sexarbeiterin, die hat man oder sie wird einem zugestanden. Mit Zwang eingeforderte Macht wird immer irgendwann irgendwo auf Gegenwehr stossen und zumindest bei intelligenten Menschen kommt diese Vorgehensweise nicht gut an. Und das mit der Macht, das hat etwas mit gesundem Selbstbewusstsein zu tun. Etwas, das frau in der Sexarbeit lernt. Und dann ist es wie mit Fahrradfahren man verlernt es nie mehr. Egal wie sie uns Freiwilligen, ehemaligen- und nocharbeitenden dieses Privileg der persönlichen Machterfahrung auch vergönnen, Sie werden es auf diesem Weg nie bekommen.

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Prostitutionsverbot eine Heilslehre?

In Deutschland hat Alice Schwarzer ein Prostitutionsverbot gefordert und heftige öffentliche Diskussionen ausgelöst. In der Schweiz präferiert man das Schwedenmodell, bei dem Freier bestraft werden sollen. Ziel beider Forderungen, die Prostitution zum Verschwinden zu bringen. Notfalls könnte man sich noch vorübergehendend mit einer Eindämmung des Phänomens zufrieden geben.

Ich habe darüber nachgedacht. Was würde denn passieren, wenn ein solches Verbot eingeführt würde. Dazu gehört auch das „Schwedenmodell“. Freier bestrafen, kriminalisiert auch die Sexarbeiterinnen. Zeigt eine Prostituierte einen Freier an, dann hat sie sich an einer Straftat beteiligt.Wird sie dafür nicht vom Gesetz bestraft, so doch zumindest moralisch. Sie wird dann registriert und kann ihren Beruf nicht mehr ausüben. Wenn sie zu dieser Arbeit gezwungen wurde, dann wird ihr Aufenthaltstatus darüber entscheiden, ob sie in ihr Heimatland abgeschoben wird oder bleiben und sich eine andere Arbeit suchen kann. Und was sagt sie dann über ihr berufliches Vorleben? „Ich wurde zu Zwangsarbeit im Sexgewerbe gezwungen.“ Wohl kaum.

Dann hätten wir ein weiteres Problem. Wie zeigt eine Sexarbeiterin einen Freier an. Freier stellen sich nicht vor. So im Stil: „Meier, Hans Meier“ und zücken einen Ausweis. Wie jemanden anzeigen, wenn man nicht einmal den Namen kennt.
Bleibt für die Einhaltung des Verbotes nur eine permanente Poliizeiüberwachung. Diese kann aber nur räumlich begrenzt stattfinden. Privatwohnungen observieren oder auf Verdacht hin eine Hausdurchsuchung durchführen wären zwar möglich, aber ziemlich teuer und zeitaufwendig.

Die Befürworterinnen dieses Verbots haben sich überhaupt keine Gedanken über die Umsetzung eines Verbotes gemacht, geschweige denn über die möglichen Folgen für alle Frauen. Wie erkennt ein Polizist eine Prostituierte, wenn es oft nicht einmal Freier können. Jede Frau, die nachts an einem bestimmten Ort unterwegs ist? Oder nur diejenigen, die auch eindeutig gekleidet sind? Und was läuft dann unter „eindeutig gekleidet“.Viel Spass dann allen Frauen, die nachts alleine unterwegs sind.

Oder kann erst erzeigt und verhaftet werden, wenn „eindeutige“ Beweise vorliegen? Was wird die Rechtsprechung als „eindeutig“ definieren? Diese Fragen bleiben uns sowohl Alice Schwarzer als auch ihre Mitstreiterinnen schuldig.

Gehen wir weiter davon aus, ein Verbot käme durch. Nicht nur in Deutschland und der Schweiz, sondern wie schon gefordert Europaweit. Würde Prostitution verschwinden, sich das Frauenbild der Männer verändern?. Nein.

Im Gegenteil das Geschäft würde florieren. Wohl etwas weniger für die meisten Sexarbeiterinnen, als vielmehr für all jene, die das Geld haben, „sichere“ Orte für Sexarbeit zur Verfügung zu stellen. In allen Ländern, in denen Prostitution verboten ist – und das ist u.a. neben Amerika auch Thailand – floriert das Geschäft mit dem Sex.

Die Frauen zahlen ihre Busse oder bestechen einen Gesetzeshüter und arbeiten weiter.
Die Nachfrage bleibt ja weiterhin bestehen. Selbst, dass freien strafbar sein käönnte, wird Männer nicht davon abhalten. Freier suchen nicht einfach Sex. Den gibt’s sauber,frei Haus geliefert übers Handy oder den Computer. Man hätte längst einen weiblichen Sexroboter entwickelt, wenn eine Nachfrage danach bestünde. Der Reiz für Sexuelle Dienstleistungen zu bezahlen ist nicht so simpel, wie das Feministinnen gerne annehmen.
Männer treibt die Sehnsucht in die Arme von Sexarbeiterinnen aus Fleisch und Blut. Die Wärme eines Körpers, die Nähe, die genauso gekauft wird, wie die vermeintliche Intimität und der Kick, jemanden zu etwas zwingen zu können, das er nicht will. Freien hat viele Facetten. Lust gehört auch dazu, Sex ist dabei aber nur eine Nebensache. Einmal so geliebt werden, wie man ist, ohne sich anstrengen oder verstellen zu müssen. Ernst genommen werden und jemand sein, unabhängig davon wer man ist, das treibt Männer auf den Strich und ins Puff. Dass alles nur Illusion ist, wird verdrängt. Männer können das besser als Frauen. Darum funktioniert der Sexmarkt auch relativ einseitig mit mehr Angeboten für männliche Kundschaft, als für weibliche.

Wo Lust im Spiel ist, helfen weder Verbote noch Gebote. Im Gegenteil verbotene Früchte schmecken besser. Ein bekannter Zeitgenosse erzählte einmal, dass er am Tag, als in Amerika das Alkoholverbot aufgehoben wurde, hätte er nach Jahren wieder einmal ein Glas Wasser getrunken.

Kaffee wurde verboten, weil man dem „Türkentrank“ nicht traute. Durch das Verbot entstanden die legendären Kaffeehäuser in Wien und der Kaffee fand Eingang in die Privathaushalte.
Alkohol wurde verboten und es wurde nicht nur mehr getrunken als vorher und nachher, es entstanden ganze Verbrechersyndikate.

Hanf wurde verboten, weil die damals aufkommende Nylonindustrie die Konkurrenz mit den Hanfprodukten (Seile, Fasern) loswerden wollte. Haschisch ist inzwischen längst in der Gesellschaft angekommen und wird im Privaten konsumiert.

Tabak wurde bei seiner Einführung in Europa auch in vielen Städten verboten, aber nicht aus gesundheitlichen Gründen, sondern weil man Angst hatte, die Pfeifenraucher könnten verheerende Brände auslösen. Erlaubt wurde er, nachdem man herausfand, dass man darauf Steuern erheben kann.

Luxussteuer für Prostitution. Nicht nötig. Sexarbeit ist bereits Steuer und MwSt. Steuerpflichtig.

Ein Prostitutionsverbot würde wie jedes andere Verbot, das irgendwie das Bedürfnis nach Lustbefriedigung betreffen, würde nicht dazu führen, dass dieses Bedürfnis verschwindet. Es würde zu einem exzessiven Gebrauch kommen. Nur das es diesmal nicht um eine Substanz geht, sondern um Menschen.
Freier würden bei einem Verbot die Signale dahingehend deuten, dass sie keinerlei Respekt mehr vor Sexarbeiterinnen haben müssen. Wenn man sich schon ev. Selber strafbar macht, dann kann man ja auch gleich noch mal so richtig die Sau raus lassen.
Glaubt ihr nicht?

Als in den 90er Jahren breit in allen Medien über den Drogenstrich im Zürcher Seefeld berichtet wurde, kamen die Freier aus der ganzen Schweiz. Sie hatten aus Zeitungen und dem Fernsehen erfahren, wie hilflos die Frauen waren. Dass sie Freier nicht anzeigen konnten. Weil sie sonst wegen illegaler Prostitution und wegen Drogenkonsum selber gebüsst würden. Mit diesem Wissen fielen bei vielen braven, biederen Ehemännern und Vätern (gut erkennbar an den Kindersitzen in den Autos der Freier) alle Hemmschwellen. Die Frauen wurden verletzt, vergewaltigt und ausgeraubt.

Genau das würde wieder passieren. Es wären dann nicht einfach ein paar Sexarbeiterinnen, die zur Arbeit gezwungen würden oder i n prekären Arbeitsverhältnissen arbeiten würden. Es wären alle. Das Angebot würde sich verknappen und im Versteckten im Geheimen stattfinden. All jene Männer, die spontan nach bezahltem Sex suchen, würden jede Frau belästigen, die ihrer Meinung nach eine Hure sein könnte. In Clubs, auf der Strasse, überall.

Das Frauenbild würde sich nicht ändern, es würde nur noch mehr auf alle Frauen projiziert.Warum stellt dann eine kluge feministische Frau überhaupt diese Forderung?
Frau Schwarzer will ein Buch verkaufen, da wirkt sich ein solcher Medienrummel schon gut auf die Verkaufszahlen aus.

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